Das Jahr 2017 geht in die letzte Runde, der Herbst hat begonnen. Hinter mir liegt ein interessanter und abwechslungsreicher Sommer in Portugal. Es war ein ganz besonderes Erlebnis für mich, welches mir sehr gut gefallen hat und wiederholt werden sollte.

Seit 2009 lebe ich im Wohnmobil und seither verändert sich mein Leben jedes Jahr in bisschen. Manchmal sind es größere Schritte, manchmal auch nur ein paar kleine Schritte, die in der Summe dann auch wieder einen Wandel bedeuten. Der bisher größte Schritt, mal abgesehen vom Umzug aus einer Wohnung in das Wohnmobil, war im letzten Jahr die Erschließung neuer Einkommensstandbeine und der damit einhergehenden Unabhängigkeit von Deutschland. Der Versuch, den Sommer nicht in Deutschland zu verbringen, klappte mit der Polenreise in 2016 schon mal ganz gut. Es war also ausbaufähig und so kam es zu der Fortsetzung in diesem Jahr: Ein Sommer in Portugal.

Manch einer hat mich schon gefragt, ob das denn nicht langweilig wird, wenn man immer im Wohnmobil lebt? Meine Gegenfrage dazu ist immer: Wird das denn nicht langweilig in einem Haus zu leben?

Immer am gleichen Ort, die gleichen Nachbarn, die gleiche Umgebung und auch der gleiche Arbeitsplatz waren zumindest bei mir damals der Auslöser, mein Leben so zu ändern, dass ich damit leben kann. Ich hatte keine Lust nur davon zu träumen, ich wollte es erleben. Genauso war es auch endlich mal an der Zeit, einen lang gehegten Traum zu verwirklichen und den Sommer außerhalb von Deutschland zu verbringen.

Ein Sommer in Portugal

Es sprach dieses Jahr nichts dagegen, nach der Überwinterung im Süden auch ein paar warme Monate in Portugal zu genießen. Nachfolgend ein kleiner Zeitraffer, der letzten 7 Monate.

März im Blütenmeer

Es ist März und ich bin noch in Portugal, schon das alleine ist eine eher ungewöhnliche Zeit für mich. Normalerweise war ich früher um diese Zeit spätestens auf dem Weg nach Deutschland, wenn nicht sogar schon lange dort. Aber dieses Jahr sollte alles anders werden.

algarve

Frühling an der Algarve

Während sich der März in Deutschland meist noch von seiner grauen und kühlen Seite präsentiert, scheint insbesondere an der Algarve im Süden Portugals längst die Frühlingssonne. Dort steigen die Temperaturen auf sagenhafte 20 Grad, manchmal auch schon deutlich darüber.

Mandelblüte

Blüten und erste Triebe am Mandelbaum

Und: An der Algarve werden europaweit die meisten Sonnentage gezählt. Genau was ich brauche! Der Frühling beginnt in Portugal schon Ende Februar und dauert an der Algarve so gute 4 Wochen. Ein buntes Blütenmeer, mit grünen Wiesen wohin man schaut, laden zum Wandern und Genießen ein. Ende März vergeht diese Blütenpracht fast genauso schnell, wie sie gekommen ist. Mit den Blumen gehen auch die Überwinterer, es wird leer an der Algarve.

Blumen

Frühling in Portugal

April – wir bleiben noch an der Algarve

algarve reisebericht wohnmobil

Ein echt toller Platz – wäre der Wind nicht…

Kurz vor Ostern ist fast kein deutsches Wohnmobil mehr an der Algarve zu sehen. Wir sind nun fast ganz alleine unterwegs, ein komisches Gefühl irgendwie.
Über den April bleiben wir noch an der Algarve und genießen das schöne Wetter. Wir vermuten, dass es im Norden noch zu kalt ist. Jetzt zeigt sich die Algarve von einer Seite, von der wir sie bisher nie gesehen haben. Fast alle Läden haben geöffnet, die ganzen Strandbars werden gerade für die Touristenströme herausgeputzt und ja, auch die ersten Touristen sind schon zu sehen. Unschwer zu erkennen an der bleichen, leichenähnlichen Hautfarbe.

Wir besuchen die Westküste in Sagres und tingeln entlang der Südküste zu uns bekannten Stränden, die im Winter von vielen Campern besucht werden.

Mai im Alentejo

Mit dem Beginn der Reisezeit ist es an der Algarve vorbei mit der Ruhe. Die Strände füllen sich, und auch auf den Straßen herrscht nun richtig Leben. Wir machen noch einen Schlenker über Faro bis nach Santo Antonio bevor wir uns endgültig Mitte Mai nach Norden in den Alentejo verdrücken.

Jetzt beginnt die spannende Zeit mit vielen neuen Erlebnissen in Portugal. In der zweiten Maihälfte lassen wir uns von Stausee zu Stausee treiben und genießen die Einsamkeit im ruhigen und beschaulichen Alentejo. Je weiter wir in den Norden kommen, desto besser gefällt mir die Landschaft und desto einsamer werden die Stauseen.

sunset

Sonnenuntergang am Fusos Stausee

Während chilligen Wochen an den Stauseen besichtigen wir auch immer wieder Orte in der näheren Umgebung. Oder legen die Fahrstrecken entsprechend, dass wir auf einem Zwischenstopp zum Beispiel Evora besichtigen können.

Wir schlängeln uns im östlichen Alentejo nach Norden bis Elvas an der spanischen Grenze.

freistehen

Ich habe mich in den Platz echt verliebt

Wieder an einem Stausee werden wir schon fast sesshaft, schließlich haben ja alle Zeit der Welt – dachten wir damals noch. Wir erkunden die Umgebung von Elvas mit dem Ducato und auch ein Ausflug nach Spanien darf nicht fehlen. Noch sind wir auf teilweise bekannten Wegen unterwegs. Aber das soll sich schon bald ändern.

Juni – der Sommer beginnt

“In Portugal ist es im Sommer viel zu heiß” wurden wir gewarnt. Es wird von Temperaturen bis 60 Grad gesprochen. Umso mehr war ich gespannt was uns letztendlich erwarten wird. Der Juni war von den Temperaturen anfangs noch sehr zurückhaltend, legt dann aber nach dem ersten Viertel ordentlich zu. Wir erreichen einen Stausee welcher uns lange in Erinnerung bleiben wird. Wir sind von Natur umgeben und weit und breit ist kein Mensch zu sehen. Es vergehen teilweise mehrere Tage, ohne dass wir Besuch bekommen. Das ist auch ganz gut, denn bei 43 Grad am Tage und 25 Grad in der Nacht sind wir froh, mit offenen Fenstern und Türen schlafen zu können.

Wir gewöhnen uns daran, dass der Wasserstand am See jeden Tag um einige Zentimeter sinkt. Nach zwei Wochen Standzeit kommt es dann schon mal vor, dass die Wasserkante schnell mal 10 Meter weiter vom Wohnmobil entfernt ist.

Stausee Natur Landschaft

Unberührte Natur mitten in Portugal

Wir sind absolut sprachlos, welche Schönheit, Ruhe und Gelassenheit Portugal auf uns ausstrahlt. Auf der Reise durch den Alentejo wurde fast jeder Übernachtungsplatz an einem See zu einem Highlight und dann durch den nächsten See nochmal getoppt.

Sonnenaufgang am See

Sonnenaufgang am Stausee

Dachten wir am Anfang, besser könne man nicht mit dem Wohnmobil frei stehen, so wurde dieser Platz schon vom nächsten wieder überboten. Der Juni war für mich ein sehr prägender Monat, an den ich mich heute noch sehr gerne erinnere.

Juli – slow travel

Anfang Juli verlassen wir den Alentejo und erreichen mit der Überquerung des Rio Tejo die Region Central-Portugal (Região Centro Oeste). Also den Osten. Nördlich von Castelo Branco gibt es ebenfalls einiges zu entdecken.

Mein schon lange etwas halbherzig ausgeübtes Hobby, das Fotografieren, erwacht zu neuem Leben. Zusammen mit Stefan und Robby, mit denen wir schon einige Wochen zusammen unterwegs sind, gehen wir auf gemeinsame Fototouren. Die Temperaturen sind super, am Tage zwischen 30 und 40 Grad und in der Nacht um 20 Grad. Für mich das perfekte Wetter, so könnte ich das jeden Tag haben. Wie sehr ich dieses Wetter liebe, wird mir im August noch deutlicher bewusst werden.

Sommer in Portugal

Schon ganz nett hier…

Wir haben uns im Juni und Juli zu den perfekten Slow Travel Touristen entwickelt. Nur alle 2-3 Wochen wechseln wir mal den Platz. So kann es schon mal passieren, dass eine Tankfüllung Diesel mal zwei Monate reicht.

Vogel

Vogel im Bad

Mit den langen Aufenthalten an einem Ort kommen aber auch neue Probleme: Die Natur und ihre Lebewesen.
Man scheint uns als einen Teil des Ganzen zu sehen, denn verschiedene Tierarten sehen das Womo als alternative Nistmöglichkeit. Die Töpferwespen sind besonders hartnäckig, sie wollen immer im Alkoven ihr Nest bauen. Die Mäuse ziehen es dagegen vor, im Doppelboden ihr Unwesen zu treiben und unsere Vorräte anzufressen. Blattschneidebienen bevorzugen Fensterrahmen für den Nestbau und Vögel schlafen gerne mal im Bad auf dem Fensterrahmen.
Hach ja, es ist schon nicht einfach, so mitten in der Natur. Trotzdem ist es sehr schön und ich freue mich, dass hier alle Lebewesen ebenso entspannt sein scheinen, wie auch die Bevölkerung dieses Landes. Wespen gibt es nicht viele, und die wo doch mal kommen, sind nicht im geringsten angriffslustig. Auch Stechmücken halten sich trotz der Wassernähe sehr in Grenzen. Ich habe da ganz andere Erinnerungen aus Deutschland.

Gegen Ende Juli, nach einem Besuch des Torre, dem höchsten Punkt Portugal, fahren wir ziemlich zielstrebig nach Norden. Wir entdecken fantastische Orte wie das romantische Bergdorf Sortelha in dem wir gleich mehrfach zum Fotografieren waren. Am Barragem Sabugal finden wir den klarsten Stausee auf unserer Reise. Da der See aber auch ca. 700 Meter liegt, ist er nicht sonderlich warm. Die Baderunden minimieren sich daher von stündlich auf 1-2-mal am Tag. Löschflugzeuge kommen hier an den See zum Wasser fassen. Sehr beeindruckend, das live erleben zu können, auch wenn die Waldbrände in ganz Portugal dieses Jahr wieder schreckliche Ausmaße angenommen haben.

Sortelha

Bergdorf Sortelha

August – Sightseeing in Nordportugal

Aus Slow Travel wird Sightseeing und Reiseabenteuer. Im August stehen wir selten lange an einem Platz. Der Norden von Portugal ist im August schon deutlich kühler als der Süden. Auch ist die Bevölkerungsdichte hier deutlich höher und dazu kommt noch die Urlaubszeit der Portugiesen. Die Beschaulichkeit und Einsamkeit, welche wir im Alentejo so lieben gelernt haben, vermissen wir im Nordwesten etwas. Es ist auch nicht immer einfach einen geeigneten Stellplatz für mein Wohnmobil zu finden. Die Ortsdurchfahrten in den kleinen Dörfern sind teilweise furchtbar eng, nicht nur einmal geht es nur mit eingeklappten Spiegeln durch die engen Gassen. Abenteuer pur!

Unverhoffter Treibsand unter der Grasnabe

Als sich dann auch noch Freunde von uns mit dem LKW am Seeufer festfahren, er fast umzukippen droht und nicht mal die Feuerwehr es schaffte, sie wieder heraus zu ziehen – war meine Abenteuerlust deutlich übersättigt.
Zum Glück ist die Geschichte letztendlich dann doch gut ausgegangen. Ein Erlebnis, dass uns allen lange in Erinnerung bleiben wird.

Ein absolutes Highlight war für mich die Stadt Porto. Wir stehen 4 Nächte auf einem wilden Parkplatz direkt am Douro und sind so super schnell mit dem Ducato in der Stadt. Ich fand einen Parkplatz in einer Seitenstraße am südlichen Flussufer des Douro, von dem es nur noch wenige Meter in die Altstadt sind.

Porto Ponte Dom Luis I

Ich kannte Porto bisher nur von einem Besuch im Winter. Du kannst dir nicht vorzustellen wie viele Touristen sich in Porto im August durch die Gassen quetschen. Wir sind sogar extra mal nach Mitternacht in die Stadt gegangen, um sie ohne Menschenmassen fotografieren zu können.

Nach Porto kommt der Frust – nach knapp zwei Wochen Sightseeing ist uns allen nach Ruhe. Robby und Stefan machen es richtig, unsere Wege trennen sich, denn sie verdrücken sich auf direktem Wege wieder nach Osten, während wir noch eine kleine Runde durch den Nordwesten von Portugal drehen. Ich hatte eigentlich gehofft im Sommer ein paar schöne Tage am Atlantik verbringen zu können, aber es ist einfach viel zu kalt.

Es war eine schöne Reise durch Nordportugal. Wir besuchen die Stadt Barcelos, wo die Legende vom portugiesische Hahn erfunden wurde und wir finden durch Zufall einen ganz tollen Platz auf 1000 Meter, an dem wir direkt eine Woche hängen bleiben.

Serra da Freita

Picknickplatz auf 1000 Meter

Der Grund sind auch die vielen Waldbrände, welche zu dieser Zeit vor allem den Norden von Portugal heimsuchen. Der Himmel ist mit einem braunen Schleier belegt. Wohin man auch schaut, überall hängt der Rauch in den Tälern wie Nebel fest. Die Krönung ist dann ein Waldbrand keine 4 Kilometer von unserem Parkplatz entfernt. Durch ein tiefes Tal von uns getrennt und dank einer günstigen Windrichtung besteht für uns keine Gefahr, weshalb wir an Ort und Stelle stehen bleiben und die Löscharbeiten live mitverfolgen können.

Löschflugzeug

Spanische Löschflugzeuge im Einsatz

Wir besuchen Arouca. Eine Stadt die irgendwie so gar nichts zu bieten hat, und man deshalb mit viel Liebe zum Detail den Arouca Geopark zum Leben erweckte. Jeder Stein und Frosch wurde hier als Sehenswürdigkeit ausgewiesen und auf einer interaktiven Karte kann man Informationen zu den Orten im Internet anschauen. Ein paar Highlights schauen wir an. Sie sind nicht schlecht. Aber wirkliche Highlights können wir, außer der Serra da Freita, nicht entdecken. Schön war es trotzdem und essen gehen kann man in Arouca auch sehr gut.

September – der goldene Herbst beginnt

Der Sommer neigt sich auch in Portugal langsam dem Ende zu. Die Nächte werden wieder kälter und am Morgen hängt oft dicker Nebel in den Bergen. Nach einer 8 Grad kalten Nacht kommt sogar der Holzofen wieder zum Einsatz. Sind wir nicht in einem Land, wo es im Sommer unerträglich heiß sein soll?

Für uns ist es jetzt höchste Zeit wieder in den Süden bzw. Osten von Portugal umzusiedeln. Im nördlichen Alentejo wollen wir den goldenen Herbst verbringen.

Sunset

Fantastischer Sonnenuntergang am Rio Paiva

Wir folgen daher dem Rio Paiva nach Osten und biegen dann über Viseu nach Süden ab. Südlich des Rio Mondego erreichen wir den kleinen Ort Barril de Alva. Wir stellen uns auf den top ausgestatteten Wohnmobil Stellplatz an der Brücke. Diesen Stellplatz kennen wir noch von unserem Besuch im Oktober 2016.

Da zwischen dem Ziel Ost Portugal und unserem jetzigen Standort die Serra da Estrela liegt, müssen wir uns einen Weg entlang der Berge suchen, um nicht noch einmal über die Serra da Estrela fahren zu müssen. Die Landschaft ist traumhaft und es macht echt Spaß hier zu fahren, auch wenn die Straßen 1000 Kurven haben.

Vesperpause in den Bergen

Vesperpause in den Bergen

So erreichen wir am 8. September wieder den Bezirk Castelo Branco, von dem wir vor knapp 7 Wochen auf die Tour durch den Norden aufgebrochen sind. Hier treffen auch wieder alle zusammen, Stefan und Robby so wie auch Ernst und Sonja warten schon auf uns. Wir machen gemeinsame Pizzaabende oder es gibt Kuchen von Robby oder Sonja.

Ducato Tiere Stausee Sonnenuntergang Portugal

Sonnenuntergang an unserem Lieblings-Stausee

Im Wohnmobil leben ist das eine, aber es gibt einen Unterschied zwischen reisen und wohnen. Erst wenn man mal länger als 7 Tage an einem Platz verbracht hat, fühlt man sich hier heimisch.

Die Anderen ziehen irgendwann weiter – wir bleiben noch stehen, denn es kommt mal wieder Post aus Deutschland, und der Ducato wird in einer Werkstatt endlich repariert. Auch mein Womo bekommt einige lebensverlängernde Instandhaltungsarbeiten.

Ich muss ein Fenster abdichten, Risse versiegeln, damit wir die bevorstehende Regenzeit trocken und schadlos überstehen können. Der Ducato bekommt eine Ablage für das Armaturenbrett und so vergehen die Tage schneller als mir recht ist.

Hunde vor dem Wohnmobil

Tizon und Max chillen im Vorgarten

Vorsicht vor dem Feuer

Die vielen Waldbrände, welche wir nun nicht nur aus dem Fernsehen kennen, sondern auch live miterlebt haben, bedürfen besonderer Beachtung. Bei der Wahl des Platzes haben wir ziemlich darauf geachtet, dass wir einen Fluchtweg haben. Unseren Lieblingssee, den wir eigentlich gerne wieder angesteuert hätten, haben wir wegen der nach wie vor hohen Feuergefahr erst einmal nicht angefahren. Erst nach dem nächsten längeren Regen können wir hier wieder sicher stehen.
Allgemein sind die Waldbrände in Portugal schrecklich. Ganz Bergzüge sind abgebrannt, oft sind wir kilometerlang an total abgebrannten Berghängen entlanggefahren. Es gab Tage, da wüteten über 200 Feuer in Portugal. Wir standen zu dem Zeitpunkt auf 1000 Meter über dem Meer und hatten noch einigermaßen gute Luft zum Atmen.

Der Alltag im Ausland

Wenn man länger nicht im Heimatland ist, müssen auch so manche Dinge vor Ort erledigt werden. Als Deutscher ist man in vielen Dingen etwas verwöhnt, oder auch verzogen.

Man weiß, wo man im eigenen Land hingehen muss, wenn man ein Problem hat und man ist es gewohnt, dass alles immer sofort erledigt wird.

Hier in Portugal ticken die Uhren anders. Geht man in eine Werkstatt um eine durchgerostete Ölwanne reparieren zu lassen, kann gut sein, dass danach zwar ein Ölwechsel gemacht wurde, aber immer noch die alte Ölwanne unter dem Auto ist. Auf die Frage, warum die Ölwanne immer noch nass ist, bekommt man die Antwort, dass die Ölwanne durchgerostet ist und man sie austauschen müsse… Gute Idee – am besten Austauschen und gleich einen Ölwechsel machen.

Die nächste Werkstatt, wo wir schon den Plattfuß flicken lassen haben, hat dann endlich die Ölwanne getauscht und noch einmal einen Ölwechsel gemacht. 2 Ölwechsel auf 500 km.

Spannend ist auch immer Essengehen. Man weiß nie was einen erwartet. Meist sind die Portionen so groß, dass wir gleich für den nächsten Tag noch genug mitnehmen können. Wir haben es uns angewöhnt, den Rest immer schön einpacken zu lassen und uns nicht unnötig voll zu fressen. Lieber etwas weniger essen und dafür noch einen dieser super leckeren Nachtische probieren.

Unfreundliche Portugiesen haben wir bisher weder in Läden noch unterwegs so gut wie keine getroffen. Oft sind die Menschen sehr aufgeschlossen und unterhalten sich mit uns. Kommt es zum Kontakt ist auch immer eine Einladung zuhause, wenn man mal in der Nähe ist, mit dabei. So ging es uns nicht nur einmal. Kontakte zu Einheimischen sind toll, nur so lernen wir viel vom Land, was uns sonst verborgen bleiben würde.

Die Sache mit der Sprache. Englisch ist vor allem nördlich der Algarve selten zu finden. Französisch dagegen viel öfter – gut, dass Tanja einigermaßen französisch kann. Ich hatte dagegen mehrmals Glück mit deutsch. Sogar bei der Feuerwehr hatten wir großes Glück, dass einer der Männer deutsch konnte und wir so einfacher unser Problem mit dem im See versunkenen LKW erklären konnten.

Braucht es eine Klimaanlage?

Schon im Frühjahr haben viele in Facebook Gruppen nach Klimaanlage für das Wohnmobil gefragt. Praktisch, wenn man einen Hund hat, und es auf den schieben kann, dass man unbedingt eine Klimaanlage benötigt. Wir haben die Klimaanlage nicht vermisst – solange ein See zum Abkühlen in der Nähe war.

usb ventilator am tabletSehr lohnenswert war dagegen die Anschaffung des kleinen USB Ventilator. Direkt neben meinen PC aufgestellt bläst er ausreichend Luft zu mir um nicht im windstillen Wohnmobil schwitzen zu müssen. Dazu ist er noch herrlich leise und nicht so störend laut wie die 230V Ventilatoren.

Ich bin ja mit dem Wohnmobil unterwegs, weil ich in der Natur sein möchte – auch im Sommer! Alle Stunde einmal kurz ins Wasser hüpfen bringt ausreichend Abkühlung um die Hitze locker überstehen zu können. Bei über 40 Grad kommt es dann eben schon mal vor, dass ich mich direkt mit dem Stuhl in den See setze. Es ging auf jeden Fall auch ohne Klimaanlage – denn die bringt eh nicht viel, wenn die Türe den ganzen Tag offen ist. Wir wollen uns nicht einsperren nur damit es ein paar Grad kühler ist im Wohnmobil. Solange es Nachts unter 28 Grad hat, können wir alle gut schlafen.
Nicht lachen – an Tagen mit 38 Grad am Tage, saßen wir am Abend oft mit Pulli und langer Hose draußen. Obwohl es noch 28 Grad hatte. Man gewöhnt sich an die Temperaturen und die niedrige Luftfeuchtigkeit machen sie sogar sehr angenehm.

Im Schatten parken haben wir auch einmal probiert. Außer Strommangel gab es aber keine Veränderung. Im Womo war es genau so warm wie in der prallen Sonne.

Wildcamping in Portugal

Nach wie vor versuchen wir uns so unauffällig wie möglich zu verhalten. Wenn wir an einem See frei stehen, wird nicht unnötig viel Gelumpe draußen aufgebaut. Auch wenn es schwer ist sich daran zu halten, wenn man sieht, wie es die Einheimischen so handhaben.

Freistehen ist in Portugal verboten und wir wollen nicht durch unnötig auffälliges Verhalten riskieren, dass sich die Kulanz der Behörden ändert. Wohnmobile sind in ganz Portugal zu einem Problem geworden. Das erzählen uns die Einheimischen immer wieder. Toiletten werden in die Büsche gekippt und Abwasser wird an den Stauseen abgelassen. Die Einheimischen sind nicht doof und wenn es Überhand nimmt, dann werden auch in Portugal irgendwann die Gesetze durchgesetzt. Siehe Algarve – wo ich heute sagen würde, diese Gegend ist durch die Masse der Wohnmobile nicht mehr zum Freistehen geeignet. Darum werden wir diesen Winter die Algarve meiden, so gut es geht.

Mein Fazit zum Sommer in Portugal:

Wir waren wirklich gespannt, was uns über den Sommer in Portugal erwarten wird. Die Erzählungen der Anderen gingen ja schon sehr weit auseinander. Von Geschichten, dass es abartig heiß ist, bis man kann es sehr gut aushalten war alles mit dabei. Umso gespannter waren wir, wie es uns ergehen wird. Abschließend nach diesem Sommer in Portugal kann ich nur sagen – es wird für jeden Geschmack etwas dabei sein. Der Norden ist vor allem an der Küste selten zu warm. Mit etwas Glück erwischt man sogar Tage, an denen es mit der Badehose nicht zu kalt ist 😉 Ok, wir hatten davor Temperaturen bis 43 Grad, da wird man zwangsläufig etwas verwöhnt.

Richtig genial finde ich, dass es in Portugal wirklich ganze fünf Monate lang nicht regnet! Ich hasse Regen schon, wenn er länger als fünf Minuten dauert. Darum habe ich mich sehr schnell daran gewöhnt, dass einfach jeden Tag die Sonne scheint.
Mal gab es ein paar Wolken und an zwei Tagen hatte es wirklich mal kurz geregnet. Aber die restliche Zeit: Sonne und blauer Himmel!

dunstiger Morgen

Morgendämmerung in Nordportugal

Die heißeste Region Portugal ist der Alentejo. Im Sommer vielleicht nicht beste Gegend. Aber der Osten von Zentral Portugal, mit den Bergregionen der Serra da Estrela, ist nicht nur temperaturmäßig sehr angenehm, sondern auch noch landschaftlich sehr zu empfehlen.

Wenn ich an die vergangenen Monate zurückdenke, kommt es mir immer noch so vor als wäre das Ganze ein Traum gewesen. Ich bin sehr dankbar, dass ich mit Tanja zusammen so einen schönen Sommer erleben durfte. Nicht nur der Sommer – die ganzen letzten 1,5 Jahren waren super und sehr erlebnisreich. Ich bin froh, dass wir beide die gleiche Vorstellung vom Leben haben und darum keine Kompromisse eingehen müssen. Dieser Sommer – wie das ganze letzte Jahr – sind viel zu schnell vergangen. Vor 13 Monaten haben wir Deutschland verlassen. Sind über Frankreich, Spanien bis nach Portugal gefahren.

Mit jedem Tag entfernt sich Deutschland ein weiteres Stückchen aus meinen Gedanken. Nur meckern kann ich heute noch so gut wie früher – typisch deutsch eben.

Wohin die Reise führen wird, weiß heut noch keiner…

Flüsse, Berge, Rauch & Stausee
Kleben und Dichten – am Wohnmobil & Wohnwagen

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