In der vergangenen Woche stand Kilometer machen ganz oben auf der Liste, wir wollen endlich wieder Sommer und dazu kommt mal wieder ein Paket nach Portugal. Daher sollten wir zu einer bestimmten Zeit am Lieferort sein.

Ab nach Osten zum Rio Mondego

Wir starten am Montag in Castro Daire erst einmal Richtung Süden. Praktischerweise geht die Autobahn direkt am Ort vorbei und wir können sie einfach und schnell erreichen. Unser Ziel ist der Rio Mondego, 70 Kilometer südlich. Ich lege auf dem Weg noch einen Zwischenstopp in Viseu ein, benötige mal wieder ein paar Sachen von Baumarkt und Decathlon. Und ein Eis von McDonalds darf natürlich auch nicht fehlen.
Ich bin noch nicht ganz fertig mit meiner Shoppingtour, da ruft schon Tanja an. Mondego ist scheiße, entweder ist der Platz wegen einer Baustelle nicht erreichbar, oder die Zufahrten sind so steil, dass nicht mal der Ducato hinkommt. Hätten wir mal vorher die topografische Karte von Google Maps angeschaut, dann hätten wir das gleich gewusst.
Während Tanja einen neuen Übernachtungsplatz sucht, bewege ich mich ebenfalls zum Rio Mondego und bekomme die Info, dass es einen kleinen Parkplatz an einer Brücke gibt, wo wir wohl übernachten könnten. Der Platz ist auch echt kuschlig, wir stehen in einer schönen Ecke.

Kleiner Parkplatz an der Brücke

Kleiner Parkplatz an der Brücke

Lost Place

Am Nachmittag besuchen wir mit dem Ducato den nächst größeren Ort „Nelas“ und erkunden ihn zu Fuß. Es ist erstaunlich wie viele leer stehende Häuser es hier gibt. Nicht jedes ist verschlossen und so wagen wir bei einer alten Villa einen Blick ins Innere. Faszinierend – man betritt eine andere Welt. Eine Welt des Verlassenen und Vergessenen. In diesem Haus finden sich noch viele persönliche Dinge, die wild verstreut wo rumliegen und jedes Teil für sich versucht eine Geschichte zu erzählen. Wir malen uns aus, wer hier wohl gelebt haben mag und warum er das Haus verlassen hat. Kalender geben immer eine Auskunft wann hier wohl das letzte Mal Leben war. In diesem Fall ist es noch gar nicht so lange her. 2002 steht auf dem Kalender, also gerade mal um die 15 Jahre Leerstand. Sehr eindrucksvoll sehen wir hier mal wieder was passiert, wenn es nur eine kleine Undichtigkeit am Dach gibt. Das Wasser reißt binnen kürzester Zeit ein halbes Haus nieder. Vom Dach bis in den Keller ist quasi eine Schneise, als ob hier ein Meteoroid eingeschlagen hätte. Ausgerechnet im Bereich des Treppenhauses, weshalb uns leider die oberen Stockwerke verborgen bleiben. Zu viel Risiko wollen wir dann auch nicht eingehen.

Lost Places & Ruins in Nelas

Barril de Alva

Am nächsten Morgen geht die Reise schon früh weiter, die LKWs haben mich schon um 6:30 Uhr geweckt und um 9 Uhr sind alle reisefertig. Wir erreichen den Fuß der Serra da Estrela und legen eine erneute Zwischenübernachtung am Wohnmobilstellplatz Barril de Alva ein. Die Wolken hängen noch bis zur Mittagszeit in den Bergen, erst dann kommt hier die Sonne zum Vorschein – dafür aber mit aller Macht, schon eine Stunde später hat es deutlich über 30 Grad im Schatten. Mit jedem Kilometer Richtung Osten wird es spürbar wärmer. Wir freuen uns schon auf den nächsten Stausee.

Am Nachmittag, als es nicht mehr ganz so warm ist, laufe ich in den Ort und schaue mich etwas um. Ein typisch portugiesischer Ort mit reichlich Leben, auch wenn er nur knapp 200 Einwohner zu haben scheint. Eine Ruine auf dem Berg hat es mir angetan – Jedoch steht diese zum Verkauf und ist verschlossen. Das soll auch weiter so bleiben und ich gehe wieder zurück zum Wohnmobil.

Barril de Alva

Das Restaurant am Stellplatz hatten wir von unserem Besuch im Oktober 2016 als gut in Erinnerung, weshalb wir auch heute hier wieder essen gehen wollen. Es ist ein original portugiesisches Restaurant mit einfacher Hausmannskost. Meist gibt es eine Tagessuppe, welche in einem großen Topf angeliefert wird, und man kann manchmal zwischen Fisch oder Fleisch als Hauptspeise wählen. Heute gibt’s nur Fleisch in Form von Gulasch. Der Geschmack ist vorzüglich und am Ende bezahlen wir für Vorspeise, Salat, Hauptgang, Nachtisch und einem Liter Wein zusammen gerade mal 16 Euro. Unser billigstes Restaurant in Portugal bisher.

Wohnmobil-Stellplatz Info

3305 Barril de Alva
M517

  • Stellplätze: 25
  • Strom + VE + Mülleimer
  • Stellplatz: 0€/24h
  • Strom: 1€/24h

GPS: 40.2861 , -7.9615

Kostenloser Wohnmobil-Stellplatz mit Ver- und Entsorgung im Randgebiet der Serra da Estrela.
Ebene geschotterte Fläche in ruhiger Umgebung. Dicht dabei ein Restaurant.
Am naheliegenden Fluss Alva gibt es eine Bademöglichkeit.

N230 – Straße der 1000 Kurven

Am nächsten Morgen – es ist inzwischen schon wieder Mittwoch, so eine Woche vergeht schneller als einem lieb ist – fahren wir weiter. Heute wollen wir ein gutes Stück nach Osten kommen, dabei aber möglichst wenig Berge fahren. Das ist in einem Gebirge wie der Serra Estrela gar nicht so einfach.

N230

Auf der N230, die Straße der tausend Kurven, schlängeln wir uns entlang der Berghänge bis nach „Unhais da Serra“ durch. Auch hier gibt es wieder einen Stellplatz für Wohnmobile.

Unhais da Serra - Stellplatz

Unhais da Serra – Stellplatz

Also ich finde das ja Platzverschwendung, wenn auf einem Stellplatz mit großen Parzellen so ein kleines Womo gleich eine ganze Parzelle blockiert. Habe mich mal dazu gestellt. Jetzt wird der Platz viel besser genutzt 😉

Komisch, da stehen wir Monate lang auf keinem einzigen Stellplatz und dann in einer Woche schon zweimal hintereinander. Hier in den Bergen ist es aber auch nicht besonders einfach einen Platz fürs Womo zu finden, denn kaum verlässt man die Straße, geht es entweder steil nach oben oder steil nach unten.

Bilder vom Ort:

Unhais da Serra

Wohnmobil-Stellplatz Info

6215-521 Unhais da Serra

  • Stellplätze: 8
  • Grillstelle + Mülleimer + Wasser und WC
  • Stellplatz: 0€/24h

GPS: 40.256010, -7.623190

Kostenloser Wohnmobil-Stellplatz an einem Praia Fluvial am Randgebiet der Serra da Estrela.
Ebene geschotterte Fläche in ruhiger Umgebung. Dicht dabei ein Restaurant.
Am Bach nebenan gibt es zwei aufgestaute Badebecken. Das Wasser ist ziemlich kühl aber sehr klar und sauber.

Castelo Novo | Aldeias Históricas de Portugal

Nach einer ruhigen Nacht auf knapp 800 Meter verlassen wir am Donnerstag die Bergregion von Portugal und erreichen wieder bekanntes Gebiet im Osten. Mit dem Osten kommt auch der Sommer wieder – 35 Grad erwarten uns, wo ist der nächste Stausee?? Der muss noch einen Tag warten, denn wir haben noch einen Programmpunkt, welchen wir mit einer Zwischenübernachtung verbinden wollen.

Castelo Novo ist eine Gemeinde (Freguesia) im portugiesischen Kreis Fundão. In ihr leben 404 Einwohner (Stand 30. Juni 2011). Der Ort gehört zu den zwölf historischen Dörfern, den Aldeias Históricas. Einige dieser Dörfer haben wir schon besichtigt und immer, wenn unser Weg an einem dieser Dörfer vorbeiführt, machen wir einen Abstecher und schauen uns das Dorf an. Jedes dieser historischen Dörfer in Portugal hat sich auf Grund seiner Tradition, Bauweise oder geografischen Lage für diesen Status qualifizieren können.

verbrannte Erde bis an den Straßenrand

verbrannte Erde bis an den Straßenrand

Leider hat in den letzten Tagen ein Großfeuer die umliegenden Berghänge von den Bäumen befreit und übrig blieb nur noch schwarze Erde. Die Flammen gingen bis an den Rand des kleinen Ortes heran. Der Ort selbst wurde aber verschont.
Wir machen einen Rundgang und schauen uns alles an. Das Castelo mitten im Ort scheint das Highlight zu sein. Es wurde komplett mit Eisenwegen und Plattformen verschandelt, damit man es gut und einfach begehen kann. Zum Fotografieren jedoch wird es schwierig, ganz untypisch für Portugal hat man hier alles mit Geländern versehen, damit auch ja keiner von den Mauern oder Treppen fallen kann.

Castelo Novo

Etappe 2

Wir beschließen nach einer Mittagspause spontan doch nicht hier zu übernachten, sondern die letzten 35 Kilometer weiter zum einem Stausee zu fahren, wo wir Ernst, Sonja, Stefan und Robby wieder treffen. Das Wiedersehen mit allen ist toll, wir haben jetzt auch endlich wieder Sommer und einen See zum Baden. Herrlich!

Neben einer Steineiche beziehen wir einen kleinen Platz. Der Baum spendet am Tag Schatten und das Gebüsch um uns herum grenzt den Platz schön ein. So entsteht unser kleines und kuscheliges Reich.

Stellplatz am See

Unser kleines Reich um die Steineiche

Rauchiger Sonnenuntergang am See

Rauchiger Sonnenuntergang am See

Fenster abdichten

Voller Tatendrang stürze ich mich am Freitag in die Arbeit und nehme mir das Fenster von der Dinette vor, welches ja schon seit Monaten undicht ist. Bisher gab es mangels Regen ja keinen Handlungsbedarf, aber irgendwann kommt sicher mal wieder Regen und dann sollte es dicht sein.

Womo Fenster abdichten

Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich irgendwelche Fenster am Wohnmobil abdichten muss. Wie es genau geht, habe ich in meinem Artikel „Wohnmobil Fenster abdichten“ zusammengefasst.

Baja TT Idanha a Nova

Am Nachmittag fahre ich mit Stefan und Ernst zu Baja TT in Idanha. Bin zwar kein wirklicher Fan von Autorennen, wenn ich nicht selbst fahren darf, aber es einmal gesehen zu haben, hat sich trotzdem gelohnt. Schon alleine wegen der Bilder, die dabei entstanden sind:

Baja TT Idanha a Nova

dicke Luft

Dicke Rauchschwaden ziehen vorbei

Als sich die Sonne am Abend langsam hinten den Rauchschwaden eines Waldbrandes in der Serra Estrela verdrückt, machen wir eine kleine Pizzaparty für alle Anwesenden. Es war ein netter Abend

Pizzaparty

Pizzaparty in der deutschen Kolonie

Der Rauch zieht genau in unsere Richtung. Spät in der Nacht brennen mir die Augen aber zum Wegfahren ist es zu spät – wir schließen die Fenster und hoffen auf eine Besserung am nächsten Tag.

Zum Glück wurde es über die Nacht besser, am Samstag scheint wieder die Sonne und es wurde ein super schöner Tag.

magical Sunset

Womo Wartungsarbeiten & Traumplätzchen am Rio Paiva
Dein Leben ist das, was du daraus machst - Ein Sommer in Portugal

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