Brauchts beim Wohnmobil wirklich Allrad? Diese Frage haben wir uns schon oft gestellt und diese Woche habe ich mal wieder sehen können, wie man auch mit Heckantrieb recht weit kommen kann.
Diese Woche war wenig produktiv, dafür ziemlich spaßig. Wir graben tiefe Löcher um Wohnmobile zu befreien, üben uns im Freischleppen und fahren durch Flüsse um an die schönen Freistehplätze zu gelangen. Es war fast ein klein wenig zu viel Abenteuer – aber das sind genau die Erlebnisse, an die wir uns auch in 10 Jahren noch gerne erinnern.

Chillen in der Sonne

So in Gesellschaft mit anderen zu leben, in einer kleinen Gruppe die sich einfach so zusammen gefunden hat, kann auch ganz nett sein. Zur Zeit sind wir zu viert, die Rekordhalter stehen schon drei Monate hier, Henning kann sich auch nicht so recht weiter bewegen. Wir müssen ab und zu fahren, kommen aber auch gerne wieder zurück.

AMUMOt und Leben-Unterwegs.com

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Heute Morgen ist der mistige Wassertank mal wieder leer und ich muss das Womo umparken, damit die Pumpe wieder Wasser bekommt. Die Problematik ist folgende: ich habe in jeder Sitzbank einen Wassertank mit je 175 Litern, welche mit einem dicken Schlauch am Boden miteinander verbunden sind. Die Wasserpumpe ist am hinteren Tank am hinteren Ende angeschlossen. Wenn ich alles Wasser nutzen will, muss das Wohnmobil leicht nach hinten links schräg stehen. Ich stand bisher aber mit der Nase tiefer, was durch die große Fläche der Tanks schnell zu 50 Liter nicht nutzbarem Wasservolumen führt. Also drehe ich ich die Hütte so, dass die Nase höher steht. Aber so ganz gelingt es mir nicht. Ich muss noch zusätzlich Steine unter die Vorderräder legen damit ich vorne hoch komme. Die Steine versinken aber mehr im Boden, als dass mein Womo nach oben kommt. Aber wenigstens bekommt die Pumpe nun wieder Wasser und ich kann die VE Fahrt um einen Tag hinaus schieben.

Schieben ist ein gutes Stichwort. Heute haben wir beim Wohnmobil retten geholfen, welche ja seit letzter Woche hier feststecken.

Wohnmobil mit Vorderradantrieb festgefahren

Der Hymer sitzt komplett auf.

Das Loch kommt schon einem Tagebau gleich, wurde aber von der Verursacherin wieder pikobello renaturiert. Ich hätte dir das „danach“ Bild gerne gezeigt, es war aber leider schon zu dunkel.

Hier stand ein Fronttriebler

Hier wurde ganze Arbeit geleistet

Bin dann mal weg

Heute ist nun der Tag gekommen. Eigentlich wollen wir nicht mal wirklich wegfahren aber Tanja ist schuld, weil sie letzte Nacht einen schönen verlockenden Platz im Nirgendwo gefunden hat. Den müssen wir uns heute anschauen gehen.

Auf Google Maps sehen wir, dass die letzten 3 Kilometer vor dem Ziel Schotterpiste sind. Das kann in Portugal viel bedeuten. Wenn selbst Google Streetview da nicht lang fährt, dann bedeutet es meist nichts Gutes.
Da ich mich beim Ver- und Entsorgen mangels Wasserdruck ziemlich verspäte, ist Tanja schon fast am Ziel und ruft mich an. Ich solle auf keinen Fall den Schotterweg fahren, das ist kein Schotter wie auf Googe Maps, sondern eher ein Bachbett mit teils fetten Steinen und einigen engen Stellen..
Ich sage dem Navi also, dass wir eine alternativ Route fahren möchten. Also fahre ich einen 15 Kilometer langen Umweg, um den Platz der Begierde dann von Norden her zu erreichen. Dass der Weg in einem Bach endet wussten wir schon vorher. Tanja hat schon mutig die Wassertiefe erkundet während sie auf mich wartete. Ganz nett fand ich auch, dass sie sogar das Handy dabei hatte und die Durchfahrt für mich gefilmt hat. So könnt ihr sie nun fast live miterleben.

Was auf dem Video nicht zu sehen ist:
Ich bin im ersten Moment zu weit gefahren und hab erst auf dem Schotter direkt am Ufer angehalten. Der Boden ist hier sehr weich und ein Versuch wieder rückwärts auf den Teer zu kommen scheiterte schon im Ansatz. Die Räder drehten durch und es passiert nichts. Daher blieb mir nichts anderes übrig als durch den Bach zu fahren.
Meine Bedenken waren noch die Steigung am anderen Ufer, weshalb ich es mit etwas Schwung versucht habe. Was natürlich zu einer hohen Bugwelle führte. Bis zum Lufteinlass vom Luftfilter waren aber noch gut 20cm Luft.

freistehen mit dem Wohnmobil in Portugal

Schöner einsamer Picknickplatz am Bach mit alten Olivenbäumen

Hier bestätigt sich auch mal wieder, je schlechter die Zufahrt desto besser der Stellplatz. Hier haben wir auf jeden Fall die nötige Ruhe, um endlich die liegen gebliebenen Arbeiten zu erledigen. Sogar Internet hat es hier, obwohl hier weit und breit keine Siedlung ist.

Ruhe

Außer Frösche war hier die ganze Nacht nichts zu hören. Wind gibts in dem kleinen Tal auch nicht. Es ist wie das Paradies für uns. Der Tag beginnt heute mit 8 Grad und vielen Wolken, aber über den Vormittag bessert sich das Wetter sogar noch und die Sonne kommt uns auch besuchen. Ein oder zwei Autos, sowie ein Radfahrer sind heute Morgen mal vorbei gekommen, das war´s. Einfach herrlich.

Gegen Mittag kommt Klaus vorbei, er fährt ebenfalls die 3 km Schotterpiste und hat ernste Bedenken hier wieder weg zu kommen. Nach den Erzählungen von Tanja und Klaus machen sich bei mir auch langsam Bedenken breit, ob ich von diesem Platz so problemlos wieder weg komme. Der Rückweg durch den Bach scheidet aus, weil das Ufer auf der anderen Seite weich und lehmig ist, da komme ich wahrscheinlich nicht hoch. Die ersten 150 Meter der Schotterstrecke nach Süden sind extrem steil und loser Schotter auf weichem Boden lässt wahrscheinlich nur die Räder durchdrehen.

Nur fast Hoffungslos

Wir haben Februar, war denn nicht erst gerade Weihnachten?? Heute steht die Erkundung der näheren Umgebung an. Das Wetter spielt auch mit. Zwar zieht nach dem Sonnenaufgang noch etwas Nebel durch das Tal, dieser verflüchtigt sich aber schnell wieder am Vormittag. Es wird ein super sonniger und windstiller Tag.

Mit Klaus erkunde ich die Zufahrt der mir bisher noch unbekannten Schotterstrecke. Es sieht nicht so gut aus, die ersten Meter dürften etwas uneben werden und ich spiele schon mit dem Gedanken, doch wieder zurück durch den Bach zu fahren. Vielleicht schaffe ich es ja doch, die matschige Böschung auf der anderen Seite zu erklimmen. Aber wenn es nicht klappt, müsste ich im Bach wenden, um dann doch wieder auf der anderen Seite hoch zu kommen. Wie Du siehst, man hat es nicht einfach…

Eines ist sicher, solche Plätze wie diesen hier sind genau was wir suchen, auch wenn die Zufahrt vielleicht einen kleinen Tick besser sein könnte. Dann kommen wir auch wieder weg, um vielleicht mal einkaufen zu können. Darum suchen wir weiter auf Google Maps und haben schon ein paar neue, vielleicht schöne Plätze ins Auge gefasst.

Irgendwann halte ich die Neugier einfach nicht mehr aus und versuche mit dem kleinsten Auto den Berg zu erklimmen. Mein Befürchtung war auch nicht ganz unbegründet, der lose Schotter macht dem Vorderradantrieb ziemliche Schwierigkeiten. Erst nach Verringern der Reifendrucks auf 1,5 Bar war es möglich den Rest des Hangs zu erklimmen.

Wie Klaus hier jemals wieder weg kommt wissen wir noch nicht. Auch ob ich jemals mit dem Vario wieder hier heraus komme weiß heute noch keiner. Wenn ich einsinke, kann der weiche Schotter am Anfang zum Problem werden.

Zur Entspannung der Lage gibts am Nachmittag Weihnachtsstollen und Kaffee. Wenigstens ist die Lage, in der wir uns befinden nicht ganz hoffnungslos. ⅓ der Autos sind ja schon im sicheren Bereich.

Abfahrt

15 Grad und Regen – so beginnt der heutige Tag. Wir überlegen, ob wir weiterfahren sollen. Auch wegen der schwindenden Vorräte und der Internetverbindung, die heute zu massiven Seitenladefehlern führt. So kann man nicht arbeiten. Klaus hat keine Lust mehr, MEO ist hier noch schlechter als NOS.

Um 10 Uhr kommt die Sonne raus, wir starten den ersten Versuch den Platz zu verlassen.

Wohnmobil im Gelände fahren

Was wir hier so treiben ist nicht mit jedem Wohnmobil zu empfehlen. So viel sei vorweg schon mal gesagt. Der Langsamste gewinnt meist. Lass dir auf schlechten Wegen Zeit, versuche Schlaglöchern auszuweichen oder durchfahre sie langsam. Die Belastung der Achsen, Räder und Gelenke ist enorm, wenn du zu schnell durch die Löcher fährst.
Vermeide Achsverschränkung. Achsverschränkung bedeutet, dass die Räder diagonal einfedern müssen. Zum Beispiel vorne links und hinten rechts, wenn man diagonal über eine Kuppe oder einen kleinen Graben fahren muss. Die meisten Wohnmobile sind für solche Belastungen nicht gebaut und der ganze Aufbau verzieht sich. Das hört man meist auch am Knarzen im Aufbau. Gesund ist das nicht.
Winterreifen statt Sommerreifen. Seit ich mich mit Sommerreifen in einer feuchten Wiese in Bosnien festgefahren hatte und 3 Stunden lang graben musste, bin ich schlauer. Im Wohnmobil interessieren auch nicht die höhere Laufleistung der Sommerreifen. Die Reifen altern meist schneller, als sie sich abfahren. Darum fahrt mit Allwetter oder zur Not auch mit Winterreifen. Die haben nicht nur im Schnee mehr Grip sondern auch im Schlamm und auf nassen Wiesen.

Die goldene Regel heißt: Der Antrieb sitzt da wo das Gewicht ist. Beim PKW vorne unter dem Motor, bei LKWs da wo die Ladung ist. Für das Wohnmobil gilt das Gleiche wie beim LKW, da ein Wohnmobil hinten meist schwerer ist als vorne. Darum ist Heckantrieb nicht nur im Gelände besser, sonder auch im Winter und auf nassen Wiesen.

Ein absolutes Nogo und meiner Meinung nach eine Erfindung unfähiger Konstrukteure (bzw. der weitläufigen Meinung, dass Wohnmobilfahrer alles kaufen was gut aussieht ist, auch wenn es technisch gesehen eine totale Fehlkonstruktion ist), sind nicht angetriebene Tandemachsen hinten mit Frontantrieb. Hier bremsen 4 Räder mit viel Gewicht und 2 Räder sollen es wieder richten.
Bei mir sind hinten 4 Räder angetrieben, und die Vorderen können sich darauf konzentrieren, wo es langgehen soll. Genauso will ich es haben, wenn ich einen Stellplatz erreichen möchte.

Ich bin sehr froh, dass wir alle unbeschadet die 3,4 Kilometer Schotterstrecke überstanden haben. Ich mag es einfach nicht, an einem Ort zu stehen, wo ich nicht weiß ob und wann ich wieder hier weg komme. Das engt ein und widerstrebt meinem Freiheitsdrang.

Wieder auf festen Straßen fahre ich zum Baumarkt Holz kaufen und zum Algarve Shopping Center um dort einen klitzekleinen Hamburger bei Kurger Bing zu holen. Und ein Eis von McDonalds, der ja direkt nebenan ist. Und vor dem Eis noch einen klitzekleinen Nachtischhamburger, weil heute so ein schöner Tag ist.

Danach fahren wir auf “unseren” altbekannten Hügel und wollen hier ein paar Tage stehen. Das Internet macht uns aber einen Strich durch die Rechnung. NOS will nicht so recht und die MEO Karte haben wir schon lange nicht mehr aufgeladen, weshalb wir sie jetzt nicht nutzen können. Hach ja… irgendwas ist ja immer. Wenigstens ist draußen wolkenloser Himmel.

Zweite Chance

Wir geben dem Bach eine zweite Chance. Nur unweit dem gestrigen Standort, haben wir zwei weitere Plätze gefunden. An einem Platz gibts sogar wieder eine Furt (Flussdurchfahrt). Das gefällt mir, kann man da doch schöne Bilder schießen. Wie tief das Wasser sein darf, damit der Motor keinen Schaden nimmt ist ja inzwischen nicht nur bekannt sondern auch erprobt.

Römische Brücke bei Castelhana Tôr

Römische Brücke bei Castelhana

Es ist schon wieder 12 Uhr, als wir uns endlich in Bewegung setzen. Die Reise geht über São Bartolomeu de Messines nach Alte und dann weiter gen Osten. Wir verabreden uns in Tôr an der Römisches Brücke und erkunden dann mit Tanjas Ducato weiter die Gegend. Man lernt ja dazu und es ist wohl besser zuerst mal mit dem Kleinen die Wege zu testen, bevor man mit dem Großen stecken bleibt.

Wir fahren 2 vorgemerkte Plätze an, der Erste hat eine enge Zufahrt und an den eigentlichen Parkplatz kann man nicht hinfahren, weil hier inzwischen ein Sperrschild steht. Der zweite Platz ist dagegen schon besser, aber 20 Meter vor dem Ziel hängen ein paar fiese Äste in den Weg, von denen nun auch der Ducato ein paar schöne Kratzerchen abbekommen hat.

Freistehen am Bach

Wieder ein schöner Platz, mit Ducato kein Problem

Wir steigen aus und schauen etwas umher, es ist eigentlich echt schön hier, die Anfahrt könnte man wagen. Aber heute nicht mehr und morgen nicht gleich. Wir fahren zurück zur Römerbrücke und holen mein Womo ab. Wir parken in der Nähe an einem halb zerfallenen Stadion. Eigentlich ein total langweiliger Ort, aber für heute ist das auch mal ok.

Am Abend durchforsten wir wieder Google Maps nach weiteren Plätzen am Bach. Es kann doch nicht sein, dass wir keinen weiteren gescheiten Freistehplatz am Bach finden, an dem auch der Große hinpasst.

Zurück zum Anfang

Heute Morgen ziehen ein paar Regenschauer vorbei, aber auch die Sonne lässt sich immer mal wieder kurz blicken. Der Platz am Stadion war eigentlich nicht schlecht, nur das andauernde Hundegebell muss nicht unbedingt sein. Wir packen gegen Mittag zusammen und fahren wieder an den Bach, wo diese Woche mit begonnen hat. Ich weiß, es ist diese Woche etwas planlos. Wir stehen wenigstens nicht auf dem exakt gleichen Platz, sondern bleiben auf der anderen Seite vom Bach. Zwar stehen wir direkt an der Straße, aber bei 2 PKW am Tag (heute bisher 0) kann man das locker verkraften. Auf manchem Stellplatz für Wohnmobile herrscht mehr Verkehr als hier.

Parkplatz am Straßenrand in Portugal. Hier ist weniger Verkehr als auf einem Wohnmobilstellplatz. Darum ist der Platz gar nicht mal so schlecht.

Neuer Platz mit „eigener“ Straße.

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Sonntagszeitung, Ausgabe „Bach“

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