Willkommen im heutigen Blog der Woche. Ich weiß, ich liege etwas zurück, aber fürs Blogschreiben bleibt aktuell fast keine Zeit. Dazu kommen noch einige ungeplante Missgeschicke, die uns zusätzlich einiges an Zeit gekostet haben.

Serra da Estrela

Es ist Sonntag. In Benquerenca scheint heute der große Picknicktag statt zu finden, die Familien aus der Umgebung kommen mit allem was sie haben. Es werden Grills aufgebaut und Luftmatratzen für den kleinen Stausee zum Baden. Ein fröhliches Treiben und wir mitten drin. Das stört uns aber nicht weiter, schon am Vormittag packen wir langsam zusammen und machen uns auf den Weg in die Berge. Wir wollen nämlich auf den Torre, den höchsten Berg Portugals. Zu Neumond erhoffen wir uns schöne Bilder von der Milchstraße. Ganz nebenbei wollen wir zu einem kleinen Stausee in den Bergen wandern. Dort soll es magisches Loch mitten im See geben.

Ve- Station

Noch einmal Ver- & Entsorgen

Auf dem Weg zum Torre gehen wir in Covilha am Fuße der Serra da Estrela noch einkaufen. Weil sich mein Navi mitten im Ort verabschiedet muss ich mich auf die parallellaufende Navigation von Google verlassen. Natürlich kennt Google auch direkt eine geile Abkürzung. Es geht über Kopfsteinpflaster steil nach oben. Hinter mir der Laster der Campofanten, enge Spitzkehren sind für mich mit Servolenkung kein Problem, aber Stefan kommt ordentlich ins Schwitzen bei 33 Grad. Kurz später kommt ein Anwohner herausgerannt und meint wir müssen wenden. In 500 Meter würde eine 2 Meter breite Stelle kommen, wo wir nicht durchpassen würden. Ich glaube dem Menschen, wir fahren wieder zurück auf die Hauptstraße, wo wir gleich hätten bleiben sollen.
Von Covilha sind es ca. 25 Kilometer bis zum Torre auf 1997 Meter Höhe. Es geht teilweise sehr steil hoch, aber der Vario kämpft sich selbst bei immer noch 30 Grad im Zweiten ganz locker hoch. Zum ersten Mal läuft für längere Zeit der Kühlventilator.
Oben am Torre heißt es erst einmal Jacken anziehen. Es bläst ein kalter Wind mit 22 Grad. Der Wind ist tückisch, vor allem wenn man aus der Hitze oben ankommt. Hier fängt man sich schneller etwas ein, als man schauen kann.
Der kleine Stausee Covão do Conchos, welchen ich unbedingt besuchen will, befindet sich hinter dem großen, gut erreichbaren, See „Barragem Marques da Silva“. Wir parken an dessen Staumauer und unternehmen eine kleine Wanderung durch die grandiose Berglandschaft.
Nach knapp 2 Stunden wandern erreichen wir den zweiten Stausee. Dieser ist wirklich klein aber irgendwie ist ein magischer Ort. Die Farben, die Kulisse und dazu das große Loch im See ergebe eine fantastische Stimmung.

Covao Dos Conchos

Covao Dos Conchos

Leider fehlen dem See schon 10 cm Wasserstand bis zum Überlauf. Das Loch ist auch kein Naturwunder, sondern der Beginn eines 1,5 Kilometer langen Stollen, in dem das Wasser zu Hauptsee Marques da Silva fließen kann.
Es lohnt sich auf jeden Fall einmal hier vorbei zu schauen. Gutes Schuhwerk kann nicht schaden, die Wanderwege sind teilweise schon mit sehr groben Schotter und Steinen überzogen.

Mit dem Sonnenuntergang ziehen dicke Wolken und Wind auf. Den schönen Sonnenuntergang auf 2000 Meter zu fotografieren können wir also knicken. Die Sicht beschränkt sich teilweise auf nur wenige Meter. Wir sind von dicken Wolken umgeben.
Jetzt sind wir extra hier hoch gefahren um die Milchstraße zu fotografieren und dann so etwas. In den Bergen kann man sich einfach nicht auf das Wetter verlassen. Aber ich habe noch etwas Hoffnung, dass sich die Wolken über Nacht genauso schnell wieder verzeihen, wie sie gekommen sind.

Und tatsächlich, kurz vor Mitternacht klart der Himmel auf und erlaubt einen fantastischen Blick auf die Sterne. Leider ist der Wind geblieben und die Temperatur ist auf 11 Grad gefallen. Für uns ein Temperatursturz von 25 Grad in 8 Stunden, welcher sich durch den Wind noch extremer anfühlt.

Wir wollen die Milchstraße fotografieren und damit wir in der Zeit nicht erfrieren gibt´s dicke Klamotten. Lange Unterhosen, T-Shirt, Pulli, Fleece-Weste, Fleecejacke und die AMUMOT Winterjacke obendrüber. Dazu noch die Fellmütze. Die Müdigkeit unterstreicht das Frieren noch ein wenig. Aber wir wollen ja schließlich schöne Bilder machen.
Mit dem Ducato fahren wir von unserem etwas tiefer gelegenen Parkplatz hoch zum Torre. Die runden Kuppeln der Radarstation ergeben eine schöne Vordergrund-Kulisse für die Milchstraße.

Milkyway

Milchstraße am Torre

Shit happens! Ja, drei Gründe spielen zusammen, dass ich euch leider kein besseres Bild als dieses schon bei Instagram hochgeladene Bild zeigen kann.

  1. Es war sehr windig und mein klappriges Stativ ist dafür nicht ausgelegt. Dementsprechend waren sehr viele Bilder unscharf.
  2. Ich habe verschiedene Objektive ausprobiert und bei einigen hat der Fokus nicht richtig gesessen, daher ist die Zahl der brauchbaren Bilder noch geringer ausgefallen
  3. Der schlimmste Grund ist aber mein eigenes Verschulden: Ich habe zwei Tage nach dem Besuch am Torre aus Versehen über 1000 Bilder der letzten Wochen gelöscht. Mit dabei die Rohdaten vom Torre.

Sabugal & Bergdorf Sortelha

Am Montag geht’s zurück ins Tal, hier oben ist es einfach zu kalt und windig. Wir fahren nach Sabugal und parken am gleichnamigen Stausee. Wir parken wie gewohnt direkt am Ufer.

Barragem do Sabugal

Barragem do Sabugal

Sabugal liegt auf etwa 800 Meter und die Temperaturen sind schon spürbar kühler. Auch der See selbst ist so kalt, dass ich mich nicht hinein traue. Durch die vergangen „Fahrtage“ müssen wir alle dringend liegengebliebene Arbeiten aufarbeiten und daher bleiben wir hier ein paar Tage stehen. In Sabugal selbst gibt es auch einiges zu sehen, mit dem Ducato sind wir schnell mal in die Stadt gefahren und haben uns die Altstadt angeschaut.

Castelo de Sabugal

Castelo de Sabugal

Sabugal

Sabugal

Tor zur Altstadt

Praia Fluvial Sabugal

Praia Fluvial Sabugal

Highlights und Sehenswürdigkeiten einer Gegend finde ich oft über Google Maps, wenn ich mir da die Bilder anzeigen lasse. So habe ich auch das kleine historische Bergdorf Sortelha gefunden. Hier waren wir gleich zweimal. Einmal am Abend und früh am nächsten Morgen. Im Gegensatz zu Monsanto ist es hier herrlich ruhig weil nur wenige Touristen von diesem Ort wissen. Aber die Orte leben vom Tourismus, denn die 444 Einwohner werden die Baars und Kneipen nicht ausreichend besuchen können, damit diese überleben würden.

Bilder Sortelha

Sortelha

Sortelha

Sortelha

Dorfplatz

Sortelha

Sortelha

Sortelha

Sonnenuntergang in Sortelha

Sortelha

Sortelha bei Nacht

Sortelha

Burg bei Nacht

Starke Waldbrände im Süden und in der Mitte von Portugal. Wir sind schon nördlicher, aber auch in unserer Gegend hat es zwei Feuer, welche mit 4 Flugzeugen bekämpft werden. Ein Feuer ist gerade mal 30 Kilometer weit weg. Die Rauchschwaden sind im Norden nicht deutlich zu sehen, wir können es sogar riechen. Die Löschflugzeuge kommen zu uns an den See zum Wasserfassen. Dabei müssen die Löschflugzeuge nicht einmal landen, sondern sie streifen im Flug über die Wasseroberfläche und füllen so die Wassertanks, welche sich in den Schwimmern unter dem Flugzeug befinden.
Nachfolgend dazu ein kleines Video.

Löschflugzeuge im Einsatz

Stausee Vilar – im Sand stecken

Zum Wochenende müssen wir weiterfahren. Wir haben inzwischen beschlossen nicht direkt nach Norden zu fahren, sondern die Route so abzuändern, sodass wir jetzt Richtung Westen nach Porto fahren und von dort dann weiter in den Norden.

Über Guarda fahren wir an den Barragem do Vilar.
Heute ist der Tag von Pleiten Pech und Pannen. Zuerst klappern wir in Guarda verschiedene Läden auf der Suche nach ein paar Dingen ab, und werden nicht fündig. Dann kam für mich die schlimmste Aktion.
Die über Google Maps ausgespähte Anfahrt zum See bestand aus engen Weinbergwegen. Tanja warnte mich schon telefonisch vor, ich solle auf jeden Fall nicht da lang fahren, sondern über den Ort Fonte Arcada den See anfahren. Ok, es ist heiß, ich bin langsam müde und so sage ich den Navis blind einen Punkt am See, welcher direkt unterhalb des Ortes liegt. Man sollte wissen, dass Fonte Arcada ein kleines urig altes portugisisches Bergdorf ist, dessen Straßen nicht unbedingt für LKWs gebaut sind. Dementsprechend eng geht es im Ort zu. Die letzten 1,5 Kilometer bis zum See waren furchtbar eng. Ich hatte es bisher noch nie geschafft, dass beide Spiegel gleichzeitig streifen. Dazu tiefhängende Bäume die allenfalls für PKWs ausreichend hoch hängen. Ein Zurück gibt es aber auch nicht, denn wenden war nicht möglich und es war so steil, dass meine Kupplung diese Strapaze nicht lange mitgemacht hätte.

Ich erreiche mit sehr vielen neuen Spuren in Lack und Fenster dann doch noch den See. Da die Campofanten auch hierherkommen wollen, haben wir schon frühzeitig Bescheid gesagt, dass meine Anfahrt für 2,5 Meter breite Fahrzeuge nicht möglich ist. Sie sollen eine andere Anfahrt suchen. Ich hoffe dabei inständig, dass die andere Anfahrt dann auch für mein Womo befahrbar ist, denn zurück in den Ort ist für mich schlicht nicht möglich.
Dass ich in diese Situation gekommen bin, ist mal wieder meine eigene Schuld. Ich hätte auch vorher anhalten können und eine geeignete Zufahrt zum See suchen können. Die Engstelle im Video hatte ich vorab zu Fuß schon erkundet. Ich hoffte dabei inständig, dass es reicht. Sicher war ich dabei nicht ganz.

Robby und Stefan fahren den See von der Staumauer her an und meinen, dass dieser Weg auch für mich befahrbar sein müsste. Bis auf ein paar Stellen, wo es sehr schräg ist, und zwei Kuppen wo etwas Bodenfreiheit nötig ist.
Nach all der Fahrerei und der schweißtreibenden Anfahrt wäre nun der richtige Zeitpunkt für Feierabend und ein erfrischendes Bad im See. Aber Stefan und Robby sorgen jetzt noch für richtig Aktion, die für uns alle zuerst mal ein großer Schock war.
Wir finden einen ebenen Platz direkt am Seeufer. Fahrspuren deuten hier auch an, dass wir nicht die ersten sind, welche hier fahren. Wären wir alleine unterwegs gewesen wäre ich wohl nicht da runtergefahren. Zwar sah das Ufer gut und tragfähig aus, aber einige Meter weiter oben war der Boden recht sandig. Die Anwesenheit des Allradradlaster lässt mich aber mutiger werden, und so folge Stefan dem Sandweg zum Seeufer.

Was dann passiert hätte wirklich keiner erwartet. Auf einmal bricht das rechte Hinterrad vom Kurzhauber ein und versinkt im Boden. So viel zum Thema „mich rausziehen, sollte ich im Sand stecken bleiben“…
Im ersten Moment waren alle ziemlich ratlos. Die Idee, dass ich rückwärts über den Sandboden, einen 7,5 Tonnen schweren Allrad LKW aus einem Loch befreien könnte, haben wir schnell wieder vergessen. Wir brauchen etwas GROSSES.
Aus früheren Erfahrungen mit den portugiesischen Notrufnummern wissen wir, dass hier nicht immer Englisch gesprochen wird, und es wahrscheinlich schwierig sein wird, etwas zu bewirken. Dazu haben wir keinen Notfall, sondern nur ein Problem, für welches wir ja selbst verantwortlich sind. Darum fahren wir mit dem Ducato zur nächsten Feuerwehr und erklären dort anhand dem Video welches ich zufällig gemacht habe, was uns passiert ist.

Die Jungs lachen fast, sind wir wohl nicht die Ersten, die dort hängen. Wie immer gilt aber, wer offizielle Straßen verlässt, also in einen Stausee fährt, tut dies auf eigenes Risiko. Daher müssen die Kosten für den Einsatz selbst getragen werden. Und man kommt wenn Zeit ist. Das sind alles Punkte, die uns in der Situation sowas von egal sind. Die Hauptsache ist, es kommt überhaupt jemand, der helfen kann.
Es folgt ein langer Abend, von Feierabend keine Spur. Das erste Feuerwehrauto, ein großer Unimog, war schnell da. Und auch fast ebenso schnell wieder weg, nachdem er erfolglos versucht hatte, den Fanti herauszuschleppen. Einziger Fortschritt war, dass der Laster sitzt jetzt noch tiefer im Treibsand steckt, welcher sich unter einer ca 20cm dicken „Grasnabe“ befindet. Bricht man durch diese Grasnabe, kommt bis zum nächsten Felsen nichts mehr.
Es ist auch nur ein kleiner Bereich vom ganzen Ufer, der Rest kann scheinbar befahren werden. Auch die Feuerwehr fährt hier mit dem zweiten LKW, dem 13 Tonnen MAN problemlos umher und versucht ein zweites Mal erfolglos den Fanti freizuschleppen. Nach dem zweiten Versuch meinen die Jungs von der Feuerwehr, wir bräuchten einen Bagger, welchen wir in Dorf oben organisieren sollen, mit LKWs sei hier nichts zu machen. Man verabschiedete sich und geht. Positiv ist – die Feuerwehr konnte nicht helfen, darum gibt es auch keine Rechnung.
Hier ein Video von der ganzen Aktion:

Zum Glück ist die Geschichte für alle Beteiligten ohne weitere Kosten und Schäden ausgegangen. Sicher mag sich der eine oder andere fragen, warum man direkt an der Wasserkante parken muss.
Wenn ich es nicht mache, tut es ein anderer. Wir waren nicht die Einzigen mit Wohnmobilen am See. Einige portugiesische Wohnmobile standen ebenfalls um den See verteilt und natürlich direkt an der Wasserkante. Wo auch sonst.
Fährt man auf unbefestigten Wegen oder auf Sand, muss man damit rechnen sich mal festzufahren. Ein Risiko, welches wir bewusst eingehen. Auch Schäden am Fahrzeug werden durchaus bewusst in Kauf genommen. Wo gehobelt wird, fallen nun mal Späne. Natürlich will keiner von uns, dass an den Fahrzeugen etwas passiert. Aber zu 100% ausschließen kann ich es nicht. Ein Wohnmobil ist ein Gebrauchsgegenstand, welches ich genau für diesen Zweck angeschafft habe.

Wer das nicht sehen kann – es gibt auch noch andere Blogs 😉

Ganz gut auf den Punkt brachte es der deutsch sprechende Feuerwehrmann. Natürlich sind die Seeufer bei Niedrigwasser nicht dazu gemacht sie zu befahren. Aber es tut jeder und es ist normal. Wir sind also schon recht gut in das Land integriert 🙂

Barragem Vilar

Barragem Vilar

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