AMUMOT Blog

Wir leben, reisen & arbeiten im Wohnmobil

Endlich erreichen wir nach zweieinhalb Monaten Anreise Marokko. Nein Spaß – auch die bisherige Tour war bis auf die Schlechtwetter Periode in Frankreich ja echt schön und spannend. Aber Marokko ist nun mal das Land, wo man so einen Laster richtig austesten kann, ohne viel Schaden anzurichten. Also bitte einsteigen und gut festhalten, es beginnt gleich mal ziemlich stürmisch.

Tarifa -> Tanger Ville

Schnellfähre in Tarifa

Wir erreichen den kleinen Hafen in Tarifa. Von hier aus startet die kleine FRS Schnellfährem, die uns in 35 Minuten nach Marokko bringen soll. Für 40€ mehr als in Algeciras geht es deutlich schneller und wir kommen schon direkt da raus, wo wir sowieso zum Einkaufen hinwollen – nach Tanger Ville.
Direkt nach der Einfahrt auf das Hafengelände in Tarifa kommt eine Schranke. In dem Gebäude daneben kann man die Tickets kaufen. 40 Minuten vor Abfahrt öffnet die Schranke und unsere Pässe werden kontrolliert, danach parken wir am Kai und warten auf die Fähre, die auch kurze Zeit später anlegt.

Neben unserem Laster fährt noch ein Wohnmobil mit, der Rest besteht aus etwa 30 PKW. Mehr passt auch nicht aufs Schiff. Wir durften als erste rückwärts auf die Fähre und in der Ausfahrspur parken. Die PKWs konnten hinten im Schiff wenden und haben sich dann hinter uns angestellt. Da wir nur 35 Minuten Zeit haben, haben wir uns auf direktem Weg zum Zollschalter begeben, wo die Pässe abgestempelt werden.

Auf dem Parkdeck in der Fähre

Wegen dem Sturm und haben wir richtig Wellengang. Innerlich hoffe ich, dass unser Womo weit genug von den Eisenpfeilern weg steht, und beim Schaukeln nicht daran anschlägt. Vermutlich wegen dem Wellengang dauerte die Überfahrt auch länger als 35 Minuten.
Schön war, dass ich nicht seekrank wurde. Am Hafen in Tanger angekommen, verlassen wir das Schiff als erste, dann werden unsere Pässe kontrolliert und wir werden direkt auf die Röntgenanlage gebeten. Danach kommt die Hundestaffel und am letzten Schalter wird das Auto registriert. Die Dame in dem Häuschen staunte kurz, als ich zwei Pässe und zwei Fahrzeugscheine in die Hand drückte. Aber dann war alles gut. Das Fahrzeug bekommt ein sechs Monate Visum, was auf einem kleinen Zettel vermerkt ist. In den Pass wird nichts mehr eingetragen. Die Abfertigung ist in wenigen Minuten erledigt und jetzt deutlich entspannter als vor einem Jahr.
Danach kommt ein Zöllner zur Roomtour vorbei. Leider parke ich so, dass wir die Treppe nicht nutzen können, weshalb er rein klettern muss.
Er schaut in 3 Schränke, findet die Tajine, grinst und gibt den Daumen nach oben. Ob wir Guns oder eine Fotodrone dabei hätten fragt er noch, dann sind wir fertig und können nach Marokko einfahren.
Da ich das Womo inzwischen bei der DEVK versichert habe, weil die alle Länder der grünen Versicherungskarte mit einschließt, können wir uns die 190€ KFZ-Versicherung für Marokko sparen - sogar der Kaskoschutz gilt jetzt in vollem Umfang.

Internet und Tanken

Wir wollten direkt nach Tanger, da wir so mehr Chancen haben an Internet SIM-Karten zu kommen. Und das war auch gut so. Im großen Marjane, wo man super mit jedem Fahrzeug parken kann, gibt es einen Maroc Telecom und Orange Shop. Wir wollen beide Karten um unabhängiger zu sein. Die Orange Karte bekommen wir, Aufladebons gibt es jedoch keine. Bei Maroc Telecom sind heute die SIM-Karten aus, wir fahren daher weiter zu unserem Tagesziel nach Larache.

Kaum haben wir die Autobahn erreicht, ist auch der Sturm wieder da. Er pfeift quer über die Autobahn und fordert sogar ein Opfer. Auf der Gegenfahrbahn steht ein Sattelschlepper auf dem Standstreifen. Sein 40 Fuß Überseecontainer liegt auf der Seite, auf dem Standstreifen unserer Spur.
Das scheint in dieser Ecke wohl öfter mal zu passieren, denn schon bei der Rückreise im Frühling hatten wir hier ähnlich starken Wind und einen Sattelschlepper, der seinen Container verloren hatte.

Larache - ein guter Ort für die erste Nacht in Marokko

Die bisher billigste Tankstelle in Marokko

Nach Larache sind es nur 90 Kilometer, was wir bequem über die Autobahn erledigen. Direkt nach der Autobahnausfahrt trifft man rechts auf einen Marjane mit Africa Tankstelle davor. Diese hat den billigsten Sprit, wie wir später noch feststellen. Während ich 490 Liter Diesel für 4700 Dirham einfüllen lasse, geht Tanja zwei Maroc Telecom SIM-Karten organisieren und bringt leckere Oliven und Baguette mit. Dieses Mal klappt das auch, jedoch gibt es auch hier keine Auflade Bons. Da wir nördlich vom Ort am Strand übernachten wollen, kommen wir jedoch im Zentrum an unzähligen Shops vorbei, die Aufladebons verkaufen.

Oliven und Baguette

Am Ziel angekommen dürfen zuerst einmal die Hunde raus. Die Strandhundegang kommt uns auch sofort begrüßen und Ziva ist ganz happy, dass sie jetzt gleich 5 Hunde gleichzeitig abknutschen kann. Den restlichen Abend verbringen wir mit SIM-Karten aktivieren. Das zog sich hin - und erst, als ich auf meiner deutschen Karte 50MB Internet gebucht habe, um die Anleitung von Kasten in Blau lesen zu können, klappt das auch mit dem Internet in Marokko. Zumindest bei 2 von 3 Karten…

Ziva und die Hundegang
Strandparkplatz Larache

Schnell in die Wüste oder doch etwas Sightseeing?

Unser Ziel ist ganz klar die Wüste, wir wollen endlich im Sand stehen! Aber einfach 800 Kilometer über die Autobahn gen Süden donnern wollten wir dann doch nicht. Wir nehmen dieses Mal die Landstraße und fahren über die R413 und N13 zum Erg Chebbi. Auf der Route, die mehr oder weniger recht gerade von Larache nach Merzouga verläuft kommen wir an Meknès, Azrou und Errachidia vorbei. Die Strecke ist typisch marokkanisch -von Neubau bis total schlecht ist alles dabei. Aber der Reihe nach, beginnen wir mit der zweiten Etappe von Larache nach Meknès.

Die Königsstadt Meknès

Vielleicht war es doch etwas zu ambitioniert gleich die erste richtige Etappe nach Meknès mit 190 Kilometer anzusetzen. Schon nach 120 Kilometer hatte ich eigentlich keine Lust mehr. Besonders die Umfahrung der Baustellen über Behelfspisten nerven etwas. Teilweise kann oder darf man nur 60km/h schnell fahren, was die Fahrzeit deutlich in die Länge zieht.

In einer Stadt, ich glaube es war Sidi Kacem, werden wir von der Polizei angehalten. Der Polizist spricht jedoch nur Französisch und ich verstehe kein Wort. Was ich mir zusammen reime heißt in etwa: Hier ist ein Durchfahrverbot für LKW. Auf dem Verbots-Schild das ich gesehen hatte, stand jedoch auch 15T mit drauf. Aber wie soll ich das jemand erklären, der kein Wort Englisch versteht und mit voller Überzeugung zu mir „ich liebe dich“ sagt.

Wer hat ihm nur diesen Satz beigebracht…
Dann sollte ich aussteigen und auf die andere Straßenseite kommen. Dort wollte er dann Geld von mir, ich verstand nur „Dirham“, aber nicht wie viel.
Auf jeden Fall ging es 5 Minuten hin und her und da wir scheinbar zu keiner Lösung kommen hat er mich weitergeschickt. Ein komischer Vorfall, dessen Sinn ich nicht ganz verstehe.

Wenig später erreichen wir Meknès und parken auf dem zentralen Parkplatz, wo man auch über Nacht stehen darf – für 50Dh. Das Wetter ist super, die Sonne scheint bei 27°C im Schatten und es ist windstill. Ich nutze die Gelegenheit und gönnen dem Laster einen kleinen Kundendienst: 35 Schmiernippel bekommen ihr Fett weg und ein kleiner Check unter dem Auto zeigt, dass bisher alles in bester Ordnung ist.

Großparkplatz Meknès

Am Abend besuchen wir den El-Hedim-Platz, auf dem allerlei geboten wird. Wir laufen durch ein paar Gassen und suchen nach einer Möglichkeit ein Abendessen zu bekommen.

El-Hedim-Platz
hier gibt es Schnecken

Geschlafen haben wir nicht besonders, der Verkehrslärm hält die komplette Nacht an. Aber das war fast zu erwarten und für die zentrale Lage haben wir das in Kauf genommen.

Azrou – Affen im Zedernwald

Diese Etappe soll kürzer werden, es sind heute nur 80 Kilometer. Meknès liegt schon auf 500 Meter und kurz danach beginnen die Ausläufer des Atlas Gebirges. Es geht immer leicht bergauf und schnell haben wie die 1000 Meter geknackt. Nach Azrou geht es dann richtig hoch und bei 1700 Meter über dem Meer haben wir unser Tagesziel erreicht. Ein Zedernwald mit teilweise sehr alten und mächtigen Bäumen, auf denen wilde Affen leben.

Gigantische Zedern
Zedernwanld von Azrou

Die Affen sind sehr scheu und hocken sobald sie die Hunde sehen in den Bäumen. Am Tage ist es mit 18 Grad noch recht angenehm, aber mit der Nacht kommt die Kälte. Am nächsten Morgen ist draußen alles weiß und das Thermometer unter dem Auto sagt 0 Grad. Normal schlafen wir mit mindestens einem offenen Fenster, weshalb der Innenraum heute auf 12°C ausgekühlt ist. Den kleinen Ofen füttere ich heute mit gesammeltem Holz aus dem Zedernwald – was natürlich noch viel zu nass ist und nicht richtig brennen will. Aber das muss trotzdem irgendwie gehen, denn wir haben nur wenig Holz-Brikettes aus Spanien dabei – die waren dieses Jahr nämlich fast nicht zu bekommen und viel zu teuer.

Ganz schön kalt hier

Die nächste Etappe sind sogar nur 50 Kilometer. Dann erreichen wir auch schon den anvisierten kleinen See. Hier oben wächst nicht mehr viel, aber die Lage ist trotzdem super schön. Über eine kleine Piste erreichen wir das Ufer und beschließen hier eine Nacht zu verweilen. Unter anderem auch wegen der überaus schnellen Internetverbindung von 60/40 Mbit.

Übernachtungsplatz am See über 2000 Meter hoch.

Am anderen Ufer ist eine Schafherde unterwegs und bei uns grasen zwei Esel. Auf dem Wasser tummeln sich ziemlich viele schwarze Enten, mehr ist hier nicht los. Ich wundere mich, dass wir bisher so gar nicht angequatscht wurden. Wenn wir Marokkaner sehen, grüßen ausnahmslos alle aber lassen uns total in Ruhe. Das sollte sich an diesem Nachmittag natürlich ändern. Kurz vor Sonnenuntergang bekommen wir doch noch Besuch von Hachid, der hinter dem Berg Ziegen und Schafe hütet. Wobei ich ihm diese Geschichte nur schwer glauben kann, denn er scheint sehr gebildet zu sein. Er erklärt mir, dass diese runden Hügel vulkanischen Ursprungs sind, und dass in diesem See 5 Fischarten beheimatet sind. Er wusste, dass es um 15Uhr hier 15°C hatte, womit er auch vollkommen recht hat. Das alles erzählt er mir auf Englisch.
Er wusste sogar, dass wir aus Azrou kommen und im Zedernwald waren – ein kleines Zedernästchen, welches zwischen den Solarmodulen hing, hat ihm das verraten. Er war echt nett und wir haben uns recht lange unterhalten. Ganz zum Schluss wollte er mir dann doch eine Versteinerung verkaufen – hat aber schnell aufgegeben als ich kein Interesse signalisierte.

Die zwei neugierigen Esel

Nachdem ich nun weiß, dass einer der Hügel neben uns ein Vulkankrater ist, mache ich mich kurz nach Sonnenaufgang auf den Weg. Mal kurz auf den Hügel laufen kann ja so schwer nicht sein, dachte ich mir, als ich los ging. Das Problem ist der Lava Kies, welcher wie Kugellager keinen festen Untergrund bietet. Die letzten Meter bis zum Gipfel waren also gar nicht so einfach zu erreichen. Endlich oben angekommen freue ich mich über den schönen Ausblick.

Der Vulkankrater - sieht erloschen aus

Die nächsten zwei Übernachtungsplätze sind für uns reine Transitplätze. Zuerst fahren wir eine lange Piste zu einem See, dessen Ufer sich dann doch nicht erreichen lässt und am Tag darauf übernachten wir in einer offensichtlichen Kiesgrube nahe der Straße. Aus Faulheit habe ich diesen Platz von Park4night gefunden, mit dem Ergebnis, dass wir in der Nacht nicht alleine sind. Beim nächsten Übernachtungsplatz gebe ich mir wieder mehr Mühe.
Tanja fährt ihre erste Piste und zur Eingewöhnung gleich mit widerlichen Felsen, über die man langsam hochklettern muss.

Der Kiesgrubenplatz war über den Tag aber gar nicht so schlecht. Wir konnten ungestört die Wäsche trocken, welche während der Fahrt gewaschen wurde und ich konnte am LKW das Schaltgestänge einstellen, damit mir nicht bei jeder größeren Bodenwelle der Gang herausfällt.

Das war wichtig, denn unsere nächste Etappe soll im Sand enden. Und zwar nicht wie erst geplant im Erg Chebbi, sondern gute 60 Kilometer nördlich. Da hat es ein paar kleine Dünenfelder, die für den Anfang gar nicht schlecht für uns sind.
Wir folgen also der N13 weiter gen Süden. Der Tunnel Zaabal ist mit 3,50 Meter angeben. Der Militärposten winkt uns durch und wir reden etwas. Ich soll ein Foto machen.

Tunnel Zaabal auf jeden Fall höher als 3,70m

Der Sandkasten ruft

In Errachidia gehen wir einkaufen. Wir decken uns mit Obst und Gemüse für die nächsten Tage ein. Wer weiß, wann wir das nächste Mal in die Zivilisation kommen. Irgendwann sagt das Navi, dann wir mögen jetzt bitte links abbiegen. Wir verlassen die Ziz Schlucht und folgen für 10 Kilometer einer Teerstraße, dann 2 Kilometer Piste und schon stehen wir mitten im Oued, welches recht sandig ist. Aber wir fahren und bleiben nicht stecken – das ist schon mal gut. Ich werde mutiger und Tanja navigiert mich in die ersten kleinen Dünenfelder. Dort suchen wir uns einen schönen Platz und beenden den Fahrtag.

Dort merke ich, dass ich die ganze Zeit noch mit knapp 4 Bar unterwegs war, dafür sind wir erstaunlich gut durch den Sand gekommen. Es erklärt aber auch, warum der Motor so gestresst war. Jetzt habe ich den Druck auf 1,8 Bar abgesenkt und normalerweise sollte der Laster recht problemlos im Sand fahren.

Luftdruck 1,8 Bar

Das war nun der letzte Test - der Laster kann alles wofür er gebaut wurde, einiges sogar besser als gedacht und wir sind voll zufrieden.

Das Wetter ist spitze, über 20°C im Schatten und kein Wind - es fühlt sich an wie Sommer. Auch die Hunde sind aufeinmal total aus dem Häuschen und selbst Max zeigt sich heute von seiner aktiven Seite.

Die Köters flippen aus.
Kurz nach Sonnenuntergang
Sahara - einfach wunderschön!

Route

Für alle Interessierten hier der GPS Track aus Marokko:

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Wir haben jetzt unsere Überwinterungs-Region erreicht. In den nächsten Wochen werden wir es erst einmal langsamer angehen lassen. Viel liegen gebliebenes will aufgearbeitet werden. Aktuelle Updates wird es aber auch weiterhin wie gewohnt bei Twitter geben.

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