AMUMOT Blog

Wir leben, reisen & arbeiten im Wohnmobil

Normalerweise findet man hier nur Allradwohnmobile. Aber was tun, wenn man trotzdem mit dem Wohnmobil die Sanddünen der Erg Chegaga besuchen möchte? Es gibt eine Piste nördlich der Sandfelder zwischen Mhamid und Foum Zguid und da wollen wir unser Glück versuchen. Die Marokkaner haben uns gewarnt, viele andere auch. Wir haben selbst lange überlegt, ob wir es wirklich tun sollen. Aber so ein kleines Abenteuer mit einem gewissen Risiko, dass wir doch irgendwann wenden müssen, wollten wir auf unserer Marokkoreise schon erleben. Darum haben wir uns entschieden, die Piste P1522 zu fahren.

Das grüne Marokko im Norden ist sicher auch ganz schön, aber wenn ich grün will, dann kann ich in Portugal und Spanien bleiben – die haben nettere Dörfer. Wir sind schon auch wegen dem Sand hier und nachdem wir in Erg Chebbi schon unseren Spaß hatten und die Sandhaufen mit dem Wohnmobil umrunden konnten, sollte jetzt Erg Chegaga folgen. Wer es noch nicht weiß, Erg Chegaga ist die größte Sandwüste in Marokko.

Kann man die Piste zu Erg Chegaga mit dem Wohnmobil fahren?

Ja, wenn das Wohnmobil keinen Frontantrieb und genügend Bodenfreiheit hat. Ein Kompressor zum Reifen auffüllen kann auch nicht schaden.

Bodenfreiheit oder geschickt fahren, sonst kann die Ölwanne schnell mal beleidigt sein.

Sollte man die Piste zwischen Mhamid und Foum Zguid mit dem Wohnmobil fahren?

Um Gottes willen – NEIN, wenn du keinen Allradantrieb hast. Denn selbst die Nordroute entlang der Berge hat immer wieder weiche Sandabschnitte, die ohne Allrad zum Problem werden könnten. Und dann heißt es entweder Graben oder lange warten bis vielleicht einer kommt, denn stark befahren ist die Piste zwischen Foum Zguid und Mhamid nämlich nicht.

Und du solltest auch besser nicht alleine fahren!

So navigieren wir auf Marokkos Pisten

Da Google Maps überhaupt auch auf Teerstraßen nicht zum Navigieren zu gebrauchen ist, fahren wir mit der App OsmAnd und den offline verfügbaren Karten, ganz gut. Osmand zeigt aber oft nur eine Hauptpiste an und somit ist der Einstieg in die Piste nach Foum Zguid recht einfach zu finden. Ich kann auch eine zweite Karte, zum Beispiel ein Satellitenbild, als Overlaykarte anzeigen und sehe dann nicht nur Pisten, sondern auch das Gelände, Wadis, und manchmal auch Nebenpisten. In Verbindung mit dem Tablet ist das eine super Navigationslösung.

Was erwartet mich auf der Piste zwischen Mhamid und Foum Zguid?

Alles, was du deinem Auto nicht wünschst! Die Gegend ist eher flach und durchzogen von trockenen Wadis. Wadis sind die Dinger, wo das Wasser, falls es mal regnen sollte, abfließt. Sie sind in der Regel recht sandig und meist auch noch recht grün, da es hier am längsten feucht ist. Manchmal trifft man sogar schon wenige Zentimeter unter der Sandschicht auf feuchten Boden.

Steinwüste wird dein hauptsächlicher Begleiter auf der Piste sein. Du fährst auf großen Steinen, kleinen Steinen, runden Steinen, gebrochenen Steinen und zum Ende hin auch mal über schroffe Steine. Steine neben der Piste, zwischen der Piste und manchmal auch gar keine Steine, sondern Sand. Der kann weich und tief sein, so dass du dich festfährst, wenn du nicht genug Schwung hast, oder nicht genug Luft abgelassen hast, oder zu wenig Bodenfreiheit hast. Sonst ist Sand aber toll, das Gehör kann sich wieder beruhigen, die Piste ist auf einmal traumhaft schön, wenn du dich auf die Weite des Landes konzentrieren kannst, und über sanfte Wellen auf und ab fährst. Mir haben die Sandpassagen sehr gut gefallen.
Waschbrett rapapapapapapapapapapapelt etwas, wir sind hier oft nur 5-10km/h schnell gefahren und haben stets versucht, nach links oder rechts auszuweichen.

Routenbeschreibung Piste Erg Chegaga

Nachfolgend beschreibe ich einfach unsere Fahrtage und wie wir sie erlebt haben. Ich denke das gibt wahrscheinlich am besten meine Erfahrungen wieder und du kannst selbst entscheiden, ob du dir das antun möchtest.

Pistentag 1 Anreise von Zagora

Wir starten in Zagora wo man seine Lebensmittelvorräte richtig auffüllen sollte. Auch haltbare Lebensmittel können nicht schaden, autark für zwei Wochen sollten schon drin liegen, man weiß nicht was kommt. Ebenso sollten Wasser- und vor allem der Dieseltank voll sein.

Piste ab Mhamid zu Erg Chegaga
Nördlich von Mhamid beginnt die Piste zur Erg Chegaga

Los geht´s von Zagora nach Mhamid. Dabei biegen wir schon kurz nach der letzten Bergkette vor Mhamid rechts (GPS: 29.900410, -5.618515) auf die Piste ab und folgen dieser. Drifte hier nicht zu weit rechts ab, du musst wieder zurück. Nach etwa 10 Kilometern findest du schnell an den ersten Sanddünen einen schönen Übernachtungsplatz (GPS: 29.874191, -5.695265) – wir standen dort gleich 5 Tage, bevor es weiter ging.

Mit dem Wohnmobil in Erg Chegaga übernachten
Wir sind total von den Socken, dass wir mit dem Wohnmobil so nah an den Dünen stehen können. (anklicken für volle Größe)
Welch ein Ausblick über die Dünen
Lagerfeuer zum Sonnenuntergang in der Wüste

Tag 2 auf der Erg Chegaga Piste

Jetzt geht’s richtig los, am heutigen Tag entscheidet sich, ob wir auf der Piste überhaupt eine Chance habe oder nicht. Denn in etwa 10 Kilometer Entfernung steht eine Wadiquerung an, wo wir nicht wissen ob wir da überhaupt durchkommen werden.
Die Bedenken waren jedoch unbegründet, denn die Durchfahrt war ein Kinderspiel und machte sogar richtig Spaß.

Piste Mhamid – Erg Chegaga

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Nach dem Wadi sind es noch 8 Kilometer bis du links wieder auf Dünen triffst, hier haben wir übernachtet. Der Boden ist zu Beginn der Dünen jedoch sehr weich, zweimal hatte ich mich festgefahren, konnte mich aber selbst mit meinen Sandblechen wieder befreien. Ein Marokkaner aus dem naheliegenden Bivouac Camp lies es sich trotzdem nicht nehmen beim Graben zum helfen. Natürlich sollten wir dann auch bei ihm zum Übernachten bleiben. Wir fahren ein paar hundert Metern weiter und finden eine schöne Stelle. In den Dünen wird der Boden wieder fester und man kann hier schön übernachten (GPS: 29.868730, -5.831870).

Mit dem Wohnmobil nach Erg Chegaga
Umgeben von ganz vielen kleinen Sandhaufen. (anklicken für volle Größe)

Am dritten Tag finden wir einen Brunnen direkt an der Piste

Wir zeichnen den Track mit Osmand auf, so finden wir den Rückweg durch den Sand einfacher und wissen wo tragender Boden war. Ohne ausreichend Erfahrung ist es nämlich sehr schwer, weiche Sandstellen von tragenden Sandstellen zu unterscheiden.
Die Reise geht weiter, schon beim herausfahren aus den Dünen bleibe ich fast im weichen Sand stecken, man sollte nicht auf seinen eigenen Spuren fahren, sondern festen frischen Boden verwenden. Das merkte auch Debbi mit ihrem Bus ohne Allrad und steckt gleich mal fest. Mit Stefans Hilfe ist es jedoch kein Problem.

Weichsand entlang der Piste
Stefan schleppt Debbi auf festen Boden

Die Piste ist erst ganz nett, leicht hügelig und recht sandig. Nach etwa 6 Kilometern treffen wir auf eine Ruine und einen Brunnen. Hier bekommt man gut schmeckendes Wasser, Debbi holt sich 10 Liter und auch Stefan holt sich ein paar Liter für den Hund, der wohl kein Chlorwasser mag.

Brunnen an der Piste von Erg Chegaga
Pause am Brunnen, der sogar eine solarbetriebene Pumpe hat.
Wasser aus Brunnen in der Wüste
Brunnenwasser abfüllen

Die Ruine haben wir auch besichtigt, die Baukunst aus Lehm ist faszinierend. Da es hier nie regnet halten die Häuser auch echt lange.

Verlassene Häuser dienen heute noch als Unterkunft für Reisende
Lost Place in Marokko
Die Deckenkonstruktion

Weiter geht die Fahrt auf zermürbenden Steinpisten mit Waschbrett-Einlagen.
Nach insgesamt 20 Kilometern treffen wir wieder auf ein großes Wadi, genau die Stelle wo auch die Piste P1522 auf unsere namenlose Piste trifft. Ab jetzt heißt die Nordpiste um Erg Chegaga P1522.
Wir verbringen die Nacht hier (GPS: 29.86814, -6.01033) und Debbi gräbt sich an einer weichen Sandstelle gleich mal ein. Meine Gelegenheit, um den Vario mal als Abschlepper zu nutzen. Der kann das nämlich auch.

Vario zieht Bremer aus dem Sand

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Anette & Bendedikt von Rumgurken.jetzt treffen mit ihrem grünen Kurzhauber zu uns und werden uns zur Wüste Erg Chegaga begleiten.

Freistehen an der Piste von Erg Chegaga
Wenn wir in der Gruppe reisen, kommt selten Kuschelcampingfeeling auf. (anklicken für volle Größe)

Wir haben hier kein Internet, total ungewohnt. Dafür kann ich jetzt Backgammon spielen und wir lesen etwas in unserem Marokko Reiseführer. Auch ein Lagerfeuer gab es nach Sonnenuntergang wieder, das gehört einfach dazu.

Der Vierte Tag auf der Piste zur Erg Chegaga

Während ich diese Zeilen schreibe, wird es draußen langsam hell, die schönste Zeit des Tages.

Um 11 Uhr starten wir die erste Etappe bis zur Oase Sacree. Dort schauen wir uns den Land Rover an, mit dem wohl welche aus Algerien geflüchtet sind und dann hier erschossen wurden.

Alter Landrover an der Oase Sacree
Oase Sacree

Die Piste besteht aus Schotter in allen Variationen, mit einigen steileren Wadi-Durchfahrten. Aber solange mein 7,5 Tonnen Vario da durchkommt, kann es nicht so schlimm sein.

Piste zur Oase Sacree
Der Chegaga Konvoi
Konvoi durch Marokko
In Konvoi durch Marokko

An der Oase Sacree verlassen wir die Piste P1522 nach Foum Zguid und biegen direkt zur Sandwüste Erg Chegaga ab. Von hier gehen zwei Pisten ab, die sich auch noch ein paar Mal teilen aber letztendlich treffen alle irgendwann auf die Dünen von Erg Chegaga. Die Piste zur Erg Chegaga wird aber nach der Oase schnell richtig gut und es macht Spaß hier zu fahren. Sand wird unser neuer Begleiter.

Als wir schon fast die großen Dünen der Erg Chegaga erreicht haben, durchfahren wie ein riesiges Rauke Feld. Dromedare grasen hier.

Kamele in Erg Chegaga
Dromedare überall und wir mitten drin. Im Hintergrund die Dünen von Erg Chegaga

Weichsandfelder im Erg Chegaga

Nach dem Marokko Pistenführer von Burghard Koch beginnt an Punkt 14 ein Weichsandfeld, welches sich wohl knapp 20 Kilometer lang durch die Dünen windet. Genau an dessen Anfang endet unsere Fahrt, der Sand ist einfach zu weich, alle Autos ohne Allrad sinken ein.

Weichsandfeld Erg Chegaga
Der Vario am Seil, heute nicht das letzte Mal

Als wir uns alle befreit haben, probieren wir einen anderen Weg mit einem neuem Plan: Benedikt fährt ohne Allrad, nur mit Heckantrieb mit dem Kurzhauber vor. Wo er dann Probleme bekommt, meldet er es per Funk an uns, und wir können warten. Das sollte uns weitere Bergeaktionen ersparen. Benedikt fährt, Debbi und ich stecken wieder.

Erg Chegaga weicher Sand
Nichts geht mehr im weichen Sand

Es hat einige Wüsten-Camps zwischen den Dünen. Wir fahren uns natürlich genau vor einem dieser Camps fest. Kein Wunder also, dass wir beim Graben nicht alleine sind. Ich glaube, die Marokkaner halten uns für verrückt. Aber wir haben ja unsere Bergefahrzeuge dabei und alles ist nur halb so schlimm. Wir müssen nur das Seil anhängen, kurz anziehen und weiter geht die Reise. Ohne Allradbegleitung würde ich hier niemals reinfahren wollen.

Letztendlich schleppen uns die Allradler noch zwischen die Dünen, wo wir übernachten werden. Wir haben es wirklich geschafft, wir stehen mit dem Wohnmobil direkt an den großen Dünen von Erg Chegaga. Eine tolles Erlebnis, sooo viel Sand – wir freuen uns riesig!

Wohnmobil camp erg chegaga
Wir haben erreicht was wir wollten. Wir sind mit dem Wohnmobil an den Dünen von Erg Chegaga

Neben uns ist ein Wüstencamp (GPS: 29.849141, -6.208880), wir bestellen für den Abend für die ganze Gruppe leckere Tajine zum Abendessen. Für 10€ bekommen wir Suppe, Tanjine und Obst zum Nachtisch. Danach zünden sie für uns das Lagerfeuer an und singen uns Berberlieder mit Trommelbegleitung vor. Jeder der einmal in der Nähe eines solchen Camps übernachtet hat, kennt die Trommeln – Wir wissen jetzt auch, wie es ist, live dabei zu sein. Die Jungs waren super nett, erzählten uns auch etwas von sich und über die Sahara. Eine tolle Erfahrung.

Wüstencamp Erg Chegaga
Abendessen im Camp
Musik am Camp in der Wüste
Berbermusik am Lagerfeuer

Hier ist so schön, dass wir gleich noch einen Tag Pause einlegen und die hohen Dünen besteigen.

Erg Chegaga
Unbeschreiblich schön!
Erg Chegaga
Da hinten an den Bergen ist die Piste1522 und die Oase Sacree

Tag fünf – bitte wenden!

Es gibt zwei Möglichkeiten hier wieder weg zu kommen. Entweder wir lassen uns von den Allradlern 20 Kilometer lang durch den Sand ziehen, oder wir fahren 15 Kilometer zurück zur Oase Sacree um die Dünenfelder nördlich über die Piste P1522 zu umfahren. Ziehen lassen finden alle doof, darum fahren wir wieder zurück und folgen weiter der Piste nach Foum Zguid.

Wir verlassen die Sandwüste
Adios Erg Chegaga

Vom Erg Chegaga bis zur Oase Sacree befindet sich die für uns schönste, gerade noch befahrbare Piste. Man kann nämlich auch einem Stück neben der Hauptpiste einem sandigen Wadi folgen. Das macht richtig Spaß. Auch die Oase sollte man auf der Ostseite umfahren, hier ist die Piste deutlich besser als die Westseite. (Tipp: Sollstest du es wirklich hier her schaffen, nimm die ganz östliche Piste zur Erg Chegaga und zurück, die linken Pisten sind wohl deutlich schwieriger.)

Marokko Piste Erg Chegaga

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Nach dem heutigen Tag finden alle: 20 Kilometer durch die Dünen ziehen ist sicher super!

Ab der Oase Sacree kommt eine heftige Geröll-Steinpiste. Im ersten Gang klettern wir mit 3-4km/h über die Steine. Die Piste teilt sich für ein paar Kilometer und folgen der Hauptpiste, ob die südliche Strecke besser ist, wissen wir daher nicht. Schlechter wird sie wahrscheinlich nicht sein – denn dann wäre es keine Piste mehr. Bei solchen Strecken fragt man sich, was ist eigentlich überhaupt eine Piste?

3km/h bitte über 5 Kilometer

Zur Krönung kommt dann ein Wadi mit großen Kieselsteinen 20-50cm Durchmesser Die Einfahrt ist stufig und im Bachbett bedrohen ein paar große Steine das Leben der Ölwanne. Diese Steigung schaffen wir zwar nach unten, aber nicht mehr zurück.
Wir beschließen hier zu wenden – zwar würden wir schon „irgendwie“ durchkommen, aber wer weiß, was danach kommt? Ein Zurück durch das Wadi gibt es nicht ohne Schaden am Fahrzeug.

erg chegagag wadi piste
Wadis, die zum Umkehren zwingen, wenn man nicht weiß, was danach noch kommt.(anklicken für groß)

Wir haben schon umgedreht, als Motorradfahrer vorbeikommen. Die zwei sind auch sehr angenervt von den Steinen, berichten aber, dass dieses Wadi und die letzten 5 Kilometer der Höhepunkt der Katastrophe seien. Wir berichten im Gegenzug darüber, dass sich die Jungs freuen dürfen, wenn sie nächsten 5 Kilometer geschafft haben, wird bis Mhamid für Motorräder super.

Nach dieser Nachricht sind alle erleichtert und wir klammern uns an einen funken Hoffnung, dass die Piste nach 5 Kilometern wirklich besser wird. Alles ist besser als zurückfahren zu müssen. Wir räumen Steine aus dem Weg und bearbeiten das Wadi so, dass der Vario durchkommt. Stefan und Benedikt dirigieren mich durch das Steinmeer. Es ist Zentimeterarbeit, aber ich komme ohne einen einzigen Kratzer durch.

Benedikt und Stefan weisen mich ein. So umfahre ich die größeren Felsen ohne Probleme.

Spätestens nach dieser Wadinummer fahren hier keine normalen Wohnmobile mehr. Kastenwagen, am besten als MB Sprinter könnten es schaffen, aber ich würde es lassen. Debbi hat viele Probleme mit Steinen auf dem Mittelstreifen der Piste.

Nachdem alle das Wadi schadfrei passiert haben, die Allradler sind dank der großen Räder mal wieder durchgefahren als wäre nichts, packen wir die letzten 5 Kilometer durch das Steinmeer. Mit 3-4 km/h dem Sonnenuntergang entgegen, erreichen wir nach ziemlich genau 5 Kilometer eine Kreuzung und biegen hier Richtung Sanddünen ab um einen Übernachtungsplatz zu suchen (GPS: 29.908737, -6.207457).

Heute waren wir 7 Stunden unterwegs und haben 25 Kilometer geschafft. Jetzt sind wirklich alle fertig. Aber das wichtigste ist, dass wir alle heil angekommen sind und auch die Fahrzeuge keinen Schaden genommen haben.

Sunset Erg
Sonnenuntergang im Erg

Nach 6 Tagen Piste, das Elend nimmt endlich in Ende

Heute wollen wir einmal richtig Kilometer machen, wir sind jetzt seit 10 Tagen in der Wüste unterwegs. Die versprochene bessere Piste lässt weiter auf sich warten. Zwar kann man den Schotter wieder besser befahren, aber einige Wadis haben es dagegen echt wieder in sich. Diesmal sind sie steil und einmal müssen wir wirklich die Hinterachse mit meinen Sandblechen unterbauen, damit ich hinten nicht aufsitze.

Ouet Querung auf der Erg >Chegaga Piste
Manchmal hilft es nur die Räder zu unterbauen.

Irgendwann verlassen wir die Piste 1522 und fahren eine Nebenpiste, die letztendlich auf die Sandpiste, welche durch Erg Chegaga führt, trifft.
Wir schlagen uns in die Dünen und ich fahre mich gleich einmal wieder im weichen Sand fest.
Jetzt will ich es aber wissen und lasse die Luft auf 1,8 Bar aus den Reifen und habe nun fast einen Platten. Es reicht aus, um ohne zu Graben weiter durch den Sand zu fahren. Sogar über zwei Dünen kann ich so noch fahren. „Breite Reifen und du brauchst im Sand kein Allrad“ (naja fast zumindest).

Letztendlich waren es wieder nur 20 Kilometer, aber wir stehen noch einmal schön in den Dünen (GPS: 29.94923, -6.34220 und essen Stockbrot am Lagerfeuer.

Adios Erg Chegaga
Der letzte Dünenschlafplatz

Wir sind gleich 2 Tage geblieben, so schön war es hier. Und es waren wohl auch die letzten zwei Tage im Wüsten-Sand. Ein Marokkaner kam schon am ersten Abend und wollte uns in seine Auberge einladen. Wir bedanken uns, bleiben aber lieber hier im Sand. Am zweiten Tag bringt er kalte Cola vorbei, zwar nicht billig mit 2€ für die Flasche – aber wenn man schon seit Tagen keine Cola mehr hatte, zahlt man das gerne. Wir hätten es wohl auch getan, hätte unser Cola Vorrat nicht so lange gehalten.

Nach 7 Tagen Piste: Lac Iriki mit Vollgas

Sunrise in Erg Chegaga
Der letzte Sonnenaufgang in den Dünen

Die Luftausdemreifennummer war doch nicht ganz das Allerheilmittel. Ich fahre als letzter durch die Dünen, die inzwischen von den anderen durchpflügt wurden und bleibe natürlich stecken. Stefan zieht mich heraus, dann kann die Fahrt beginnen. Nein, kann sie nicht, denn die nicht Allradler bekommen jetzt erst einmal wieder ordentlich Luft in die Reifen. Wir fahren jetzt über den Lac Iriki, Sand ist keiner mehr zu erwarten. Daher pumpen wir die Reifen auf fast auf Straßendruck auf.

Heute verliefen die ersten 25 Kilometer wirklich sehr gut, wir überqueren den Lac Iriki. Der Badeausflug im See fällt leider trotz dem tollen Wetter und 22 Grad im Schatten leider in den Sand, denn der See ist komplett ausgetrocknet.

Lac Iriki mit Vollgas

Die 45 Kilometer danach ziehen sich, erstens weil es auf einmal 20 Kilometer mehr sind als gedacht und zweitens, weil die Strecke wieder aus grobem Schotter besteht. Hier zu fahren macht wirklich keinen Spaß.
Umso mehr freuen wir uns, dass wir alle nach 190 Kilometern den Ort Foum Zguid erreichen und keine Schäden zu verzeichnen haben.

foum zguid
In Foum Zguid endet die Mörderpiste – ich küsse die Teerstraße.

Wir parken mitten im Ort und gehen erst einmal lecker essen. Fleisch vom Grill, Cola und Pommes, welch ein Luxus, nachdem der Kühlschrank schon gestern nicht mehr viel hergegeben hat. Das Ganze übrigens für 7€ pro Person.

Wir waren in Foum Zguid auch tanken, denn ich wollte wissen, ob die Tankuhr noch funktioniert, da sie nach 250 Km schon halb leer anzeigte. Aber es ist alles ok, der Vario hat auf der Piste tatsächlich 27,5 Liter/100km verbraucht.

Gibt es auf der Piste Internet?

Die Marokkaner erzählen uns, dass Orange das Netz der Wahl ist, Marc Telekom würde es hier nicht geben. Das können wir nicht ganz bestätigen, denn es gibt schon das Maroc Telecom Netz, nur eben mit Einschränkungen.
Von Mhamid aus hatten wir das erste Drittel gutes Netz, dann war es für einen Tag weg. Ab der Oase Sacree gibt es wieder LTE und versorgt das komplette nördliche Dünengebiet der Erg Chegaga, solange die Sonne scheint, mit schnellem LTE. Von 22 bis 10 Uhr ist meist Pause. Oft geht der Funkturm kurz nach dem Abschalten noch einmal kurz ans Netz, verstummte dann aber komplett bis zum nächsten Morgen.
Wir haben hier schon öfter solarbetriebene Sendemasten gesehen, daher würde es mich auch gar nicht wundern, wenn meine Theorie wirklich stimmt.

Meine Eindrücke und Bedenken

Wir wussten, dass man diese Piste wahrscheinlich mit einem Vario fahren kann. René hat die Piste vor einem Jahr mit seinem Vario bewältigt, hatte aber viele Probleme mit Regen und Wasser. Wir haben dagegen mehr Probleme mit dem weichen Sand. Für 4×4 ab 5 Tonnen ist das ein Klacks, die haben weder mit Verschränkung ein Problem, noch mit der Bodenfreiheit. Aber ich glaube kein Allradler würde freiwillig hier fahren, solange es auch die schöne Piste durch die Sanddünen gibt. Wir freuen uns auch schon auf den nächsten Winter.

Mit vier Mercedessen on Tour

Ein großes Problem sind die Zwillingsreifen an der Hinterachse. Man muss aufpassen, dass sich da keine Steine verklemmen. Meine Hintermänner hatten mich immer gewarnt, wenn wieder ein Stein zwischen den Reifen klemmte.

Es gab auch nur zwei echte Engstellen, die wir mit Steine unterlegen oder Steine wegräumen meistern konnten. Der Rest der Piste ist einfach nur mörderschlecht, was sich durch wenig Luft in den Reifen und langsames Fahren lösen lässt.

Uns war es bewusst, dass es nicht einfach wird und dass wir Probleme bekommen können, die uns sogar kurz vor dem Ziel noch zum Umkehren zwingen könnten. Diese Piste werden wir nie wieder fahren, denn mit dem nächsten Auto, welches Allrad und große Räder hat, fahren wir einfach die Sandpiste durch Erg Chegaga bis Mhamid und freuen und über viel Sand und schöne Dünen.

Der Unterboden wie Tank und Auspuff waren nie in Gefahr.

Ein bisschen Stolz bin ich auf den Vario jetzt schon, es ist halt doch ein robuster LKW, der so einiges wegsteckt. Der abgeschrägte Überhang hinten hat mir unendlich viele Probleme erspart. Die Bodenfreiheit in der Mitte, am Tank und Auspuff, könnte echt besser sein, war aber nie ein Problem. Der Böschungswinkel ist wichtiger als der Rampenwinkel (Bodenfreiheit zwischen den Achsen). Was wir nie vermisst haben, war eine Differentialsperre, denn auch ohne Sperre haben sich zuverlässig, alle Räder gleichmäßig im Sand eingegraben. 2 Wochen autark in der Wüste ist dank großem Wassertank und viel Solarleistung auch kein Problem.

  • Würden wir die Piste noch einmal fahren? NEIN
  • Würden wir die Piste fahren, auch wenn wir wüssten was auf uns zu kommt? Ja

Es war nicht die Piste alleine, was so schön war, sondern auch das Reisen in der Gruppe, welche sich ja recht spontan zusammengefunden hatte. Wir haben alle etwas lernen können, hatten Spaß am Lagerfeuer und in den Dünen. Und auch die Hunde hatten sichtlich ihren Spaß.

Farah und Ziva

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