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Jetzt habe ich schon ein E-Bike und fahre damit jeden Tag so 20-50 Kilometer spazieren. Da liegt es doch auf der Hand, damit auch eine Radreise zu machen - oder? Ich bin in der glücklichen Lage nicht im verregneten Deutschland zu wohnen, sondern fahre in einer der schönsten Gegenden Europas mit Rad umher - Portugal. Der Reiz an so einer E-Bike-Radreise ist, dass ich weiter weg komme und neue Gegenden entdecken kann. Ich betrat jedoch für mich absolutes Neuland, denn ich war bisher noch nie mit dem Fahrrad und Zelt unterwegs.

Das Ziel der Reise

Bahntrassenradweg in Spanien

Es sollte in erster Linie ein Kurztrip werden, auf dem ich Erfahrungen zur Technik und meiner Kondition sammeln konnte. Nahe der portugiesischen Grenze, in der spanischen Extremadura, gibt es einen Bahntrassenradweg, den Via Verde de la Plata II. Dieser Radweg verläuft auf der stillgelegten Bahntrasse Béjar-Plasencia und führt durch Tunnel, über Brücken und atemberaubende Landschaft. Das wollte ich selbst erfahren und die Entfernung zu meiner Homebase in Portugal war mit etwa 150 Kilometer in einer angenehmen Nähe. Aufgeteilt auf fünf Tagesetappen ergab sich eine angenehme 500 Kilometer lange Radreise. Für das erste Mal vollkommen ausreichend.

Vorbereitungen zur Radreise nach Spanien

Koffer packen

Zuerst war das Fahrrad dran: Wie befestigt man an einem vollgefederten MTB Gepäckträger, damit man Packtaschen und all den anderen Kram, den man mitnehmen möchte? Diese Reise kostet mich einiges an Lehrgeld, da ich im Internet wenig Informationen über solche Aktivitäten finden konnte.

  • Reifen: Nicht zwingend nötig, aber ich habe etwas Rollwiderstand freundliche Reifen aufgezogen. Der Schwalbe Johnny Watts tut hier gute Dienste. Die Tour fuhr ich noch mit Schlauch, heute weiß ich, dass der Reifen auch hervorragend als schlauchloser Reifen taugt und dann nochmal eine ganze Ecke leichter rollt.
  • Gepäckträger hinten. Das Problem ist die Vollfederung. Ich kann keinen klassischen Gepäckträger an dem Rad verbauen. Es gibt verschiedene Hersteller, die unterschiedlich gut sind. TopPeak hält nicht gut, die Befestigung durch Klettband ist nicht optimal. Das Thule System sieht zwar doof aus, erfüllt seinen Zweck aber einwandfrei.
  • Gepäckträger vorn. Gern hätte ich einen richtigen Lowrider gehabt, denn je tiefer die Taschen hängen, desto besser fährt es sich. Mit dem Thule Tour Rack und den seitlichen Taschenhaltern geht es schon irgendwie. Wichtig, es hält und das auch auf schlechten Wegen!
  • Eine Lenkertasche für den Kleinkram unterwegs darf natürlich auch nicht fehlen. Klickfix ermöglicht das schnelle Lösen, wenn man eben kurz in einen Laden möchte.
  • Versicherung: Sollte das teure E-Bike gestohlen werden, oder ich unterwegs, wo liegen bleiben, kann eine Versicherung nicht schaden. Fahrräder werden gern mal gestohlen und ich bin überzeugt, dass es einfacher ist eine gute Versicherung zu haben, statt Kiloschwere Schlösser mitzuschleifen, die trotzdem keinen 100% Schutz bieten. Ich habe mein E-Bike bei Helden.de versichert. Wenn du über meinen Link dies auch tun möchtest, bekommen wir beide einen kleinen Rabatt
  • Was ich nicht so ganz auf dem Schirm hatte, war das Licht am Fahrrad. Meine Tour führte durch Tunnel und wenn die nicht gerade beleuchtet sind, wird es echt dunkel. Eine Beleuchtung kann ich unbedingt empfehlen.

Die Navigation auf der Radtour und die vorherige Planung machte ich mit Komoot. Planen am Laptop und mit dem Handy navigieren funktioniert super. Auf der Tour hatte ich nur das Tablet dabei, was vollkommen ausreichte. Übrigens: Man sollte E-Bike-Touren nicht mit dem Fahrradprofil E-MTB planen, nur weil man ein Mountainbike fährt. Gravelbike ist vollkommen ausreichend, um mit dem überladenen Rad noch gut fahren zu können. Aber dazu später noch mehr.

Typ 2 Stecker für E-Auto Ladestationen

Nun kommt der Punkt, der die E-Bike Radreise von anderen Radreisen unterscheidet. Die Stromversorgung. Und hier war auch mein größtes Sorgenkind begraben. Mit einem Zusatzakku, dem Giant Rangeextender kam ich auf 1000Wh Akkukapazität, was für locker 100Kilometer Reichweite sorgen soll. Ich fuhr auf der Tour meist mit 0,5-1% pro Kilometer und hatte so am Tagesende selten weniger als 40% Restkapazität im Akku. In erster Linie muss man sich daran gewöhnen, dass man das E-Bike bewegt wie ein normales Fahrrad und den Motor nur unterstützend benutzt. An Bergen also erst einmal zurückschalten, bis es nicht mehr geht, und erst dann die Unterstützungsstufe hochsetzen, wenn es noch steiler wird. Die meisten E-Bikes haben eine viel zu lange Übersetzung. Steile Berge schafft man nur mit viel Motorleistung.

Strom sparen durch eine passende Übersetzung

Vorn ein kleineres Kettenblatt wirkt oft wunder. Es reicht, wenn das Rad im größten Gang noch 30km/h erreicht - wichtiger ist, dass man im ersten Gang die Berge hochkommt. Auf ritzelrechner.de kann man super die vorhandene Übersetzung mit anderen Versionen vergleichen. Ich rechne immer mit einer 70er Kadenz und 6,5km/h im ersten Gang. Mein 36er-Kettenblatt habe ich gegen ein 34er getauscht. Gern wäre ich auf noch auf 32 heruntergegangen, was mir noch fast ein halbes km/h gebracht hätte, aber das war in 2023 leider nicht lieferbar. Gerade bei 1x12fach Schaltungen kann man mit einem kleineren Kettenblatt erreich, dass man weniger oft in den ganz kleinen Gängen fahren muss. So läuft die Kette gerader, und hat weniger Verluste und Verschleiß.

Trotz aller Optimierungen muss ich mich mit Strom versorgen können. E-Auto Ladestationen gibt es in fast jedem Ort. Wogegen Campingplätze in der Region eher selten sind. Daher bestelle ich mir einen Typ2 auf Schuko Ladestecker. Die Anmeldung bei sämtlichen Ladeapps ermöglichte mir das Laden an Auto-Ladestationen. (Theoretisch zumindest, denn praktisch klappte das auch nur ein einziges Mal).

Etwas frustriert war ich darüber, dass das ganze Ladegeraffel 2 Ladegeräte, Verteilersteckdosen, Powerbank für Handy und Tablet, CEE Stecker + Typ 2 Stecker eine ganze Packtasche füllte. Vom Gewicht mit über 5 Kilo mal ganz zu schweigen. Warum ist das Ladegerät für ein E-Bike so mega schwer und groß? Bei Bafang wiegt ein 5A Ladegerät gerade mal ¼ und es funktioniert trotzdem!

Packen und Testen - unzählige Male habe ich das Rad beladen und habe Testfahrten unternommen. Mit 55 Kilo (Fahrrad inkl. Gepäck) fährt sich ein solches E-Bike dermaßen schwerfällig, dass ich anfänglich nicht daran geglaubt hätte, damit jemals auch nur den ersten Campingplatz in 40km Entfernung zu erreichen.

Viel Regen Anfang Juni

Als es dann endlich losgehen kann, kommt es zu ungeplanten Verzögerungen.

Verheerende Waldbrände in Spanien vernichten gerade mein geplantes Reisegebiet. Als die Feuer unter Kontrolle waren, wurde das Wetter wechselhaft und es regnete jeden Tag mindestens einmal. Für Südeuropa im Juni sehr ungewöhnlich - willkommen in der Klimakrise. Ich nutze die Zeit für Touren in der Umgebung, um Kondition aufzubauen.

Es geht endlich los: Tag 1 meiner Radreise

Ich packe mein Rad und die Reise soll nun endlich beginnen. Nach all den Testfahrten und unzähligen Kilometern auf dem E-Bike, komme ich genau drei Kilometer weit, bis das erste Mal anhalten muss und den Sattel neu einstelle. Ich denke mir so, das kann ja heiter werden.
Das Rad lenkt sich durch die vorderen Packtaschen und Lenkertasche so schwerfällig, da muss man sich erst einmal daran gewöhnen. Aber das gibt sich nach ein paar Kilometern und ich beginne in eine Art Reisemodus zu verfallen. Es zählt nicht mehr die Tagesetappe oder wann das Ziel kommt, sondern der Fokus liegt auf der aktuellen Situation - das fühlt sich gut an.

Ich habe für den ersten Tag nur 40 Kilometer bis zum Ziel geplant. Das ist eine Strecke, die unter allen Umständen kein Problem sein wird. Selbst auf der größten Unterstützungsstufe sollte ich das Ziel problemlos erreichen. Die Erfahrung des ersten Tages wird die folgenden Tage bestimmen.

Der erste Tag verläuft hervorragend. Am Nachmittag erreiche ich mit einem Bärenhunger den ausgewählten Campingplatz kurz vor der spanischen Grenze. Hier kann ich das E-Bike aufladen und bekomme hoffentlich ein Abendessen. Leider war das Restaurant gerade im Umbau und wie der Supermarkt geschlossen! In 10 Kilometer zurück, in den nächsten Ort, gäbe es Restaurants, wo ich etwas essen gehen könnte. Darauf hatte ich heute wirklich keine Lust mehr und beschließe selbst etwas zu kochen.

Einreise nach Spanien

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Die Nacht war ziemlich kalt, aber ich habe sie überstanden. Ich hatte meinen Schlafplatz so gewählt, dass die Morgensonne mein Zelt schnell aufwärmen und trocknen kann.

Die Morgensonne wärmt das Zelt

Heute sollen es 50 Kilometer werden. Ich starte bei schönstem Wetter in Portugal und erreiche nach sechs Kilometern die spanische Grenze. Komoot führt mich über Schotterpiste, und viele schlammige Pfützen, die wegen vergangenen Regentagen bisher nicht ausgetrocknet sind. Unzählige Male tauchte ich mit den Sandalen beim Durchfahren in die Schlammbrühe ein. Bei der nächsten Flussdurchfahrt wurde die Füße dann wieder sauber.

Öfter geht es durch Furten

Die Tour ähnelte mehr einer Abenteuerstrecke. Ich war mehr damit beschäftigt, auf jeden Stein achten und die Fuhre unter Kontrolle zu halten, als dass ich mich auf die Umgebung konzentrieren konnte und die war eigentlich atemberaubend schön. Teilweise waren die Bachdurchfahrten so tief, dass der Motor schon im Wasser war. Für eine Mountainbike-Tour ist das sicher eine tolle Strecke. Für jemand mit 28 Kilo Gepäck bei 33°C eher eine Tortur!

Kaum die Kraft, um die Schönheit der Natur genießen zu können.

Nach 30 Kilometer war ich mit meinen Kräften langsam am Ende. Ich beschloss die Tour ab jetzt auf Teer zu beschränken und heute keine weiteren Offroad Experimente zu wagen. Ich bin am Arsch der Welt unterwegs, mehr als ein bis zwei Autos pro Stunde kommen nicht vorbei. Als ich an der Straße ankomme, pumpe ich die Reifen auf, damit das Bike leichter rollt. Jetzt beginnt für mich die eigentliche Radreise. Ich kann mich auf einmal auf die Landschaft konzentrieren und bequem vor mich hin radeln.

Und hoch und hoch und hoch

Das ging etwa 5 Kilometer gut und dann steht ein 6 Kilometer langer Anstieg mit 240 Höhenmeter bevor. Mit Musik in den Ohren und einem Gang zurückgeschaltet geht es mit 16-18km/h zügig den Berg hoch. Elektromotoren sind eine soooo tolle Erfindung. Ohne Motor diesen Berg zu bezwingen ist natürlich möglich, aber mit macht es viel mehr Spaß 🙂
Oben angekommen, gibt es zur Belohnung einen tollen Ausblick über zum kleinen Ort Hoyos.
Die restlichen 10 Kilometer waren mit zwei schönen langen Abfahrten gespickt und dann war auch schon Feierabend für den heutigen Tag.

Hungrig erreiche ich einen kleinen privaten Campingplatz in Spanien. Der niederländische Inhaber ist freundlich, aber ein Abendessen bekomme ich wieder nicht. Ich habe aus den Google Rezensionen das Restaurant falsch gedeutet. Es befindet sich nicht auf dem Platz, sondern im Ort 300 Meter entfernt. An sich ist das kein Problem. Fahre ich halt in den nahen Ort zum Abendessen. Aber leider ist das Restaurant heute geschlossen.

Camping el Merino

Es bleibt nur ein Mini-Mercado für die Notversorgung mit Nudeln und Soße. Der Campingplatz bietet eine Küche zum selbst kochen. Dort bastele ich mir ein deftiges Abendessen.

Heute waren es knapp über 50 Kilometer und 880 Höhenmeter. Trotz aller Strapazen kam ich noch mit 40% Restkapazität an.

Kleines Tour-Video zu Tag 2


Miranda del Castañar

Campingplätze, Supermärkte wie auch Stromsäulen sind hier echt selten. Darum muss ich einen Umweg fahren, um nach Bejar, dem Startpunkt des Via Verde de la Plata II zu gelangen. Ich habe zwei mögliche Übernachtungsmöglichkeiten. Nach 60 Kilometer und nach ambitionierten 90 Kilometer, was dann auch 1390 Höhenmeter bedeuten würde. Heute gibt die Junisonne alles und ich genauso - da die beiden vergangenen Tage recht gut verlaufen sind, bin ich guter Dinge, dass ich die 90 Kilometer schaffen werde.

Nachdem ich das Rad wieder bepackt hatte, geht es los. In dem Laden, wo ich gestern mein Abendessen organisiert hatte, hole ich Frühstück und eine Verpflegung für den Tag + ein Notfall Essen. Dann folge ich der Straße und genieße, was so auf mich zukommt.

Tretlager ist lose

Der Spaß hält nicht lange an. Denn schon bald macht sich ein Geräusch beim Motor bemerkbar. Das Tretlager beginnt zu knacken. Ich halte am Straßenrand an, und schaue, was ist. Schnell stelle ich fest, dass sich die Mutter am Tretlager gelöst hat. Das ist natürlich ziemlich unpraktisch, da ich kein passendes Werkzeug für eine solche Mutter dabeihabe.
Mit einer Verlängerung und einem Engländer (verstellbarer Gabelschlüssel) als Hammer schlage ich die Mutter so gut es geht wieder soweit fest und die Reise kann weitergehen.

Da ich bisher kein richtiges Frühstück hatte, wollte ich eine Pause an einem Badeplatz am Bach einlegen. Der Kiosk hat aber geschlossen und eine Schranke verwehrt den Zugang zum Gelände. Dann bleibe ich halt auf der Zufahrt stehen und es gibt nur ein schnelles Frühstück im Schatten der Bäume.

Sierra da Francia

Weiter gehts. Links von mir liegt der Bergzug der Sierra de Fancia diese ist in den letzten Wochen zweimal stark getroffen worden. Zuerst haben schwere Waldbrände die Hänge kahl gefressen, danach haben unwetterartigen Regenfälle Flutwellen ins Tal ausgelöst, weil die kahlen Hänge kein Wasser speichern konnten. Ich erreiche einen Praia Fluevial - also wieder einen Bade- und Picknickplatz an einem kleinen Bach, der offensichtlich einige Meter hoch über die Ufer getreten ist. Solche Sturzfluten entstehen schnell, wenn Berghänge nach einem Feuer kein Wasser zurückhalten können. Diese teils großen Flutschäden begleiten mich schon eine ganze Weile.

Picknickplatz am Bach vom Unwetter zerstört

Ich lege hier trotzdem eine Mittagspause ein und gehe mich in im gefühlten Gletscherbach abkühlen. Frisch erholt und heruntergekühlt tränke ich noch meine Weste im Bach ziehe sie triefnass an. Vor mir liegen jetzt 6 Kilometer mit 100 Höhenmeter. Das ist nicht schlimm, aber es hat schon über 30°C im Schatten.

Ohne Ende Kirschen

Der Anstieg wird mir mit Kirschbäumen entlang der Straße versüßt. Wenn es nämlich kurz vor der Kirschernte regnet, platzen die Kirschen teilweise auf und sind dann unverkäuflich. Die Bäume werden dann nicht mehr abgeerntet und die Kirschen verschimmeln am Baum. An solchen Bäumen kann ich mich sicher bedienen, ohne dass sich jemand daran stört. Auf der Nordseite gibt es nämlich trotzdem noch reichlich gute Kirschen zum Naschen. Ich habe mir bestimmt ein Kilo Kirschen reingehauen bis endlich oben am Berg angekommen bin.

14% Akku für 36 Kilometer

Ich erreiche Pinofranqueado. Es ist inzwischen kurz vor 14 Uhr und ich habe schon oder erst 36 Kilometer geschafft. In einem Supermarkt, dem ersten, der offen hat, versorge ich mich mit einer kalten Cola und etwas zum Snacken. Für die ersten 36 Kilometer habe ich nur 14% Akku verbraucht. Also 140Wh, oder 3,8Wh pro Kilometer. Für ein E-Bike das mit Gepäck 54 Kilo wiegt, ist das ein spitzen Wert. Hier wäre der Plan A Campingplatz, wenn es mir zu schlecht gehen würde. Aber ich kann noch ein Stück und beschließe auch die restlichen 50 Kilometer noch abzuspulen. Zur Not übernachte ich halt irgendwo an der Strecke - Denn die richtigen Berge liegen noch vor mir.

Die nächste Etappe bis Vegas de Coria sind etwa 23 Kilometer. Es wird hügeliger. 80 Meter hoch, 70 Meter runter, dann wieder hoch und so weiter. Das Stück vergeht wie im Flug.
Nach Vegas de Coria kommt ein 120 Meter hoher Hügel gefolgt von einer 5,5 Kilometer langen Talfahrt wieder 140 Meter nach unten. So lang merke ich den Tag in der Sonne. Ich bin zwar viel gewohnt, aber knapp 8 Stunden ohne nennenswerten Schatten habe ich nicht jeden Tag. Es wird Zeit für eine zweite Kühlpause im Bach.

Mit klatschnasser Weste, reichlich Wasser getrunken und einem Müsliriegel starte ich die letzten 23 Kilometer bis zum Tagesziel hoch in den Bergen. Es sind noch 350 Höhenmeter zu bewältigen - Wer zum Teufel sucht sich einen Campingplatz auf einem Berg??? Das Fiese ist, es geht fast ununterbrochen bergauf. Kurz vor dem Ziel geht es noch einmal steil runter, nur um dann zum Abschluss richtig steil nach oben zu gehen.

Miranda del Castañar

Aber ich habe es geschafft. Heute bin ich das erste Mal richtig erledigt und wehe, wenn es wieder nichts zum Essen gibt! Der Camping El Burro Blanco in den Bergen, neben einem historischen Ort Miranda del Castañar im Wald gelegen, war die Mühe allemal wert. Bei der Anmeldung werde ich super freundlich mit einem Glas Sekt empfangen. Auf leeren Magen nach so einem Tag, was das die beste Idee. Ich erkundige mich nach Essen - es gibt TK Pizza... Aber mir egal - Hauptsache essen.

Camping El Burro Blanco

Ich baue mein Zelt im Wald auf, und hänge das E-Bike an die Steckdose zum Laden. Am Ende zeigt das Bike noch 38% Restladung an. Ich habe dem nach 620Wh verbraucht, was 7Wh/Km entspricht. Für 1400hm heute Top - bzw. ich habe recht viel Eigenleistung erbracht und mir für heute eine Pizza mehr als verdient.

Ich gehe zur Terrasse neben der Rezeption und bestelle mir mein Abendessen. Was ein Tag - und trotzdem war er super!

Streckenverlauf des Tages

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Via Verde de la Plata II

Heute möchte ich das eigentliche Ziel der Reise erreichen. Den Bahntrassenradweg in Bejar.

Vorteil eines Campingplatzes auf dem Berg: Der Tag startet mit einer Talfahrt. Die unter Umständen am frühen Morgen auch ziemlich kalt sein kann. Das ändert sich dann recht schnell, als mir dann der längste Anstieg auf der ganzen Tour bevorstand. gleich 400hm in einem Zug.

Herrlich, so ein E-Bike! Trotzdem fahre ich nur in den schwachen Unterstützungsstufen, damit der Akku für den Tag durchhält.

Der nachfolgende Anstieg mit lächerlichen 150Hm war dann schnell gemeistert, zumal ich einen Rennradfahrer vor mir hatte, der mich ausbremste. Ich kroch ihm mit 12-13km/h hinterher, statt meiner üblichen 18km/h an Bergen. Frisch erholt kam ich dann oben an und stehe am Beginn des Bahntrassenradwegs "Via Verde de la Plata II". Ich habe das Ziel der Reise erreicht.

Der Beginn des Via Verde de la Plata in Bejar

Ab jetzt ist alles ganz einfach, denn die nächsten 66 Kilometer geht es 500 Meter bergab. Der Bahntrassenradweg ist inzwischen bis Plasencia befahrbar. Auf der Strecke kommt man an mindestens einem Restaurant in einem Bahnhof vorbei. Dieses Mal lag ich zeitlich so gut im Plan, dass ich genau zur Essenszeit am Mittag dort sein müsste. Also spare ich mir das Einkaufen in Bejar und folge der Bahntrasse.

Die Strecke ist toll. Sie führt viel durch Wald, wo es nicht zu heiß ist, durch kalte Tunnel, tiefe Schluchten und über Brücken. Die Tunnel sind mehr oder weniger gut beleuchtet. Meine LED Notbeleuchtung ist für solche Einsätze nicht geeignet. Teilweise tappe ziemlich im Dunkeln.

Hungrig erreiche ich das Restaurant

Hungrig erreiche ich dann auch den Bahnhof mit dem Restaurant. Aus den Lautsprechern klingt Musik, aber ich scheine der einzige zu sein, der heute Hunger hat. Irgendwie sie auch alles etwas geschlossen aus. Ich probiere alle Türen aus und finde eine, die offen ist - die der Küche. Der Koch ist da und ich frage, ob ich etwas zu essen bekomme. Er verneint - sie haben geschlossen - Essen gibt es nur am Wochenende. Also übermorgen. Es wäre nicht meine Radreise, wenn dieses Restaurant heute nicht geschlossen hätte.

Spanien - Hochsaison im Sommer und alles hat zu! Ziemlich frustriert fahre ich weiter. Mich stört nicht mal so sehr, dass der Mistladen zu hat, sondern die Tatsache, dass ich fast nicht zu essen dabeihabe. Am nächsten Bahnhof halte ich an und mache eine längere Pause. Die Platanen geben Schatten. Die Toilette ist geschlossen. Aber es gibt einen Wasserhahn außen. Wenigstens kann ich mein Trinkwasser auffüllen. Von hier hat man eine schöne Aussicht ins Tal. Ich esse meine letzten Reste bis auf einen Müsliriegel. Dann finde ich noch einen Kirschbaum. Prima, es sind Sauerkirschen.

Im weiteren Verlauf der Strecke geht es immer nur bergab. Teilweise rolle ich ohne zu treten mit 30km/h dahin. So fliegen die Kilometer nur so dahin und die Temperatur steigt mit jedem Meter richtig Tal auch. Die letzten 15 Kilometer geht es eben und es ist brechend heiß. Kein Bach, kein Schatten und die Feigenbäume am Wegesrand lachen mich aus: Ätsch, die reifen Feigen gibt es erst nächste Woche. Das Dumme an Hunger beim Fahrradfahren ist, fehlt einem Sprit in Form von Kalorien, geht auch die Kraft aus. Die letzten 10 Kilometer sind dann doch eine ziemliche Schinderei.

Ende der Trasse in Plasencia

Ich war so glücklich, als ich dann endlich Plasencia erreiche. Mein erstes Ziel ist Burger King. Klimaanlage, kalte Cola und einen Burger!. Dann noch 3 Kilometer bis zum Campingplatz, wo ich meinen Tag dann endgültig nach 108 Kilometern beenden kann.

Der Campingplatz

Tour Informationen

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36°C - ein Tag Pause am Pool

Heute soll es noch einmal richtig heiß werden. Mir gefällt es auf dem Campingplatz und ich beschließe den Tag heute am Pool zu verbringen. Nach 4 Tagen fahren habe ich mir das verdient. Zum Frühstück fahre ich aber doch raus zum Supermarkt, das Gepäck bleibt derweil im Zelt. Spannend, wie leichtfüßig ein solches Bike fährt, wenn keine Packtaschen dran hängen. Nach fünf Kilometern bin ich zurück und tatsächlich froh, heute nicht weiter fahren zu müssen. Die letzten Tage hängen spürbar in den Knochen.

Den halben Tag verbringen ich am Pool. Ich liege in der Sonne, springe alle Stunde ins Wasser zum Abkühlen.

Pool Tag

Richtung Portugal

Nach einem reichhaltigen Frühstück mache ich mich auf den Weg Richtung Portugal. Bis nach Hause sind es noch 160 Kilometer. Kaum ein Laden unterwegs und auch keine Campingplätze. Ich muss also irgendwo zwischenladen und werde mir einen Übernachtungsplatz an einem See suchen.

Ich fahre Richtung Westen. Anfänglich folge ich noch einer Gruppe Rennradfahrer einen kleinen Anstieg, als dieser jedoch endet, sind die Rennräder auf und davon. Heute ist es nicht ganz so sonnig und spürbar kühler. Als ich nach 50 Kilometer den zur Übernachtung ausgesuchten See erreiche, ist noch nicht mal 13 Uhr. Ich fahre, ohne Anzuhalten weiter in den nächsten Ort Moraleja. Dort hat einen Wohnmobil-Stellplatz, eine E-Auto-Ladestation und vielleicht finde ich ja ein Restaurant, wo ich endlich mal ein gescheites Mittagessen bekomme.

Strom und Wasser sind am Wohnmobilstellplatz abgestellt. Ich fahre in den Ort rein und suche nach einem Restaurant, aber das meiste hat schon geschlossen. An einem Fastfood-Automaten hole ich ein HotDog. Das was rauskommt, sieht so ganz anders aus als das, was auf dem Bild zu sehen ist. Und kalt ist es dazu auch noch. Dann fahre ich zur E-Auto-Ladestation und hoffe auf etwas Strom.

Gratis Strom an der Auto-Ladesäule

Meine App schafft es tatsächlich, die Station freizuschalten und so kann ich das E-Bike dort zum Laden anschließen. Der Storm ist sogar kostenfrei. Während das Bike lädt, sitze ich im Schatten auf dem Gehweg und futtere den ColdDog und überlege, wie der Tag weitergehen soll. Das Dumme an E-Bikes ist die irre lange Ladezeit. Warum kann das nicht schneller laden? Nachdem der Akku um 18% (180Wh) nachgeladen hat, fahre ich weiter.

Pisten erschweren die Fahrt, ich muss Luft aus den Reifen ablassen.

Es ist 15 Uhr, als ich fertig bin mit dem Nachladen. Bzw. ich habe keine Lust länger zu warten. Es sind noch 88 Kilometer bis ganz nach Hause und in meinem Kopf wächst der wirre Plan diese Strecke heute noch zu fahren. Ich habe ausreichend Energie im Bike, um es zu schaffen. Der Rest ist somit egal, ich kann ja jederzeit anhalten, wenn es nicht mehr geht. Und so fahre ich dahin und folge den Schildern Richtung Portugal.

Meine Rechnung hatte ich ohne mein Hinterteil gemacht, dass nach 100 km Strecke langsam zu schmerzen begann. Der Brooks Ledersattel ist auch nach 1500km bisher nicht richtig eingefahren, wie es scheint. Ich lege eine Lage meine Fleecejacke über den Sattel und binde sie so an der Sattelstütze fest, dass sie mich nicht behindert. So schleppe ich mich weiter und erreiche die portugiesische Grenze. Was ein geiles Gefühl!!!

Portugal !!

Alle 20 Kilometer bekommt der Sattel eine weitere Lage Fleecejacke spendiert. Inzwischen weiß auch Tanja, dass ich komme und wir verabreden uns im 10 Kilometer entfernten Nachbarort zum Abendessen.
Die letzten 40 Kilometer sind echt hart. Mein Arsch schmerzt heftig und die Kräfte schwinden langsam. Auch der Akku leert sich immer schneller, da ich mir an den teils steilen Anstiegen kräftiger helfen lassen. Die Vorzüge eines E-Bikes sind an Tagen wie heute nicht zu verleugnen!

Am Ende erreiche ich das Restaurant und es gibt ein heiß ersehntes Abendessen mit Tanja. Danach fahren wir zusammen nach Hause. Mein Hintern schmerzt immer noch und die Beine sind immer noch etwas lahm. Der Akku ist inzwischen fast leer und ich hoffe inständig, dass er noch bis zu Hause durchhält.

An Nachbars Gartenzaun, am Ende des letzten Hügels, schaltet das E-Bike den Antrieb ab. Der Akku ist leer, ich auch und es geht zum Glück nur noch 400 Meter bergab, wo ich unser Zuhause erreiche. Eine Punktlandung, wie sie besser nicht hätte sein können.

Mit 1180Wh bin ich 160 Kilometer weit gekommen. Das sind 7,4Wh pro Kilometer bei 1460 Höhenmetern. Wäre ich am Ende nicht so fertig gewesen, wäre der Stromverbrauch noch viel geringer gewesen. Aber auch so bin ich sehr zufrieden. Für zukünftige Touren weiß ich nun, was mich erwartet und kann besser planen.

Der heutige Tag bei Komoot

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Fazit der Tour

Seit ich einen Führerschein habe, bin ich gern auf Reisen. Seit 15 Jahren lebe ich im Wohnmobil und irgendwie war diese Art zu reisen eine der schönsten für mich. Diese 500km Tour hat mir so viel mehr gegeben als die 15000km durch Skandinavien in den drei Monaten danach. In gewisser Hinsicht hat sie mein Leben verändert, denn ich bin noch nie so bewusst und intensiv gereist.

Technische Erkenntnisse:

  • Ein vollgefedertes Mountainbike ist kein Reiserad. Trotzdem ist nichts gebrochen und ich konnte mein Gepäck transportieren.
  • Ich muss am Gewicht des Gepäcks arbeiten. Verteilersteckdosen, CEE Stecker, TYP2 Stecker und zwei schwere E-Bike-Ladegeräte sind zusammen fast 5 Kilo und belegen eine Packtasche. Das Zelt wiegt mit über 4 Kilogramm auch deutlich zu viel. Zwar ist es in 1 Minute auf und wieder abgebaut, aber beim Fahrrad zählt am Ende Gewicht.
  • Strom für Uhr, Handy und Tablet war immer knapp. Ich hatte eine kleine Powerbank dabei, welche ich mit dem Zusatzakku vom E-Bike geladen hatte. Leider gibt der Giant-Range-Extender nur prähistorische 5V und 1A her, was das Laden einer kleinen Powerbank zu einer Mammutaufgabe werden lässt.

Auf jeden Fall würde hat mir die Tour sehr viel Spa0 gemacht und es war eines der besten Erlebnisse in 2023, welche sicher im Jahr 2024 wiederholt wird.

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