Bei Sonne fahren wir los, dann kommen dichte Wolken und letztendlich auch noch Regen und Graupel dazu.

Eigentlich wollte ich am Ufer des Lac du Salagou heute Übernachten. Aber das Wetter macht nicht mit, der Boden ist zu weich.

Aber ich bin wieder aus dem Sumpf herrausgekommen. Der Grund hier her zu kommen war aber nicht nur der See sonder ein kleines Dorf am Rande des Sees. Zufällig habe ich es bei Google Earth gefunden. Dazu gibt es auch eine Geschichte:
Im Kanton Clermont l’Herault im südlichen Departement Frankreichs gelegen: im Herault, liegt in den Hügeln des Salagou-Sees, umgeben von rötlichen Höhen vulkanischen Ursprungs, Celles, ein kleines reizendes Dorf, dass sich in den gleichermaßen blau und grau schimmernden Wassern des Sees spiegelt.
Dies könnte die Beschreibung eines malerischen kleinen Dorfes im Süden Frankreichs sein, wie viele schöne Stellen in der Nähe des Mittelmeeres. Was wir vorfinden, hatte allerdings eine sehr spezielle Note: Celles ist ein verfallenes, verlassenes Dorf.

Ein Spaziergang durch die kleinen Sträßchen von Celle hat eine mystische Ausstrahlung. Auf der einen Seite zeugen die schon seit sechzig Jahren verlassenen Häuser von einem altertümlichen Lebensstil. Auf der anderen Seite erscheinen die großen Absperrungen aus Stahl fremd in dieser friedlichen Atmosphäre und verstärken den Eindruck einer ein wenig ungeschickten Maßnahme, um die Besucher vor den Zeichen der Zeit zu schützen, die manchmal einzustürzen drohen.

Auf dem Dorfplatz erzählt eine Tafel die Geschichte der Gemeinde Celles und erläutert sehr schnell, dass keiner der ehemaligen Bewohner sein Dorf verlassen wollte.

In den fünfziger Jahren war Celles ein friedliches und blühendes Dorf unweit eines kleinen Rinnsals, das aus der Lergue fließt und sich in den l’Herault wirft. Unsere Geschichte nimmt ihren Anfang im Jahre 1959, als die Region eine Krise im Weinbau erlebte, die die Behörden dazu bewegte einzugreifen. Die daraus resultierende Idee war die Umgestaltung der Weinberge in Obstplantagen. Um dies zu erreichen, brauchte man ein großes Wasserreservoir für die Bewässerung. Das Projekt, einen Staudamm an der Salagou zu bauen war geboren und nahm schnell konkrete Formen an.
In diesem Moment begannen die Enteignungen der Besitztümer, die sich bis zu einer Höhe von 139 m befanden, die geschätzte Obergrenze der Überschwemmung während der zweiten Bauphase des Staudamms. Die Obergrenze wurde danach auf 150m festgelegt, was das ganze Dorf Celles verurteilte, da es auf 143m über dem Meeresspiegel liegt. Obwohl entschädigt, verließen die Bewohner Celles schweren Herzens und Celles fiel praktisch ganz in die Hände des Departements Herault.
Ende 1969 wurde das Staubecken mit Wasser gefüllt und es brauchte 3 Jahre bis es sich bis zu seinen heutigen Ufern gefüllt hatte. Seine Staukapazität beträgt 3 Mio m³. Die Höhe des Staudamms beträgt 60 m bis zum Fundament und die Länge der Krone 375 m. Das Gebiet, aus dem der See gespeist wir erstreckt sich auf etwa 76km2.

Im Jahr darauf erlebte Celle, immer noch nicht überflutet, keine glorreiche Zeit. Plünderung folgte auf Plünderung, Dachziegel, Fliesen und Fenster wurden abgetragen, wodurch die Häuser sehr schnell verfielen. Das Dorf erlebte sogar den Einzug einer Hippie-Gemeinschaft.

Um den Diebstählen vorzubeugen organisierte man 1980 eine Bewachung in den alten Gemeindebauten, die ohne Wasser und Elektrizität waren. Aber diese Maßnahme kam zu spät für viele Gebäude, die den Einflüssen der Zeit und des Wetters überlassen wurden.
Das Dorf Celles wurde nie überflutet, da die Obergrenze des Sees niemals die 139m überschritt. Das Dorf wurde zwar vor dem Wasser gerettet, aber um welchen Preis. Es ist sicherlich der endlosen Ausdauer der ehemaligen Bewohner ihr Dorf zu retten zu verdanken, dass trotz der massiven Enteignungen Celles niemals seinen Status als Gemeinde verlor. Es ist sicherlich auf diese Energie zurückzuführen, dass das Dorf 1985 eine gewisse Erneuerung erfuhr. Mit viel Engagement wurde der Dorfplatz ebenso aufgeräumt wie einige Gemeindebauten und die Kirche. Celles wurde sogar wieder an die Wasserversorgung und Elektrizität angeschlossen. Ein Zusammenschluss namens “Rettet Celles” wurde von den Nachkommen der ehemaligen Eigentümer gegründet. 1989 beschloss der Staatsrat endgültig die Aufrechterhaltung des Gemeindestatus von Celles.

Im Jahr 2000 erfuhr Celles eine neue Bedrohung durch eine neue Strömung. Amerikanische Investoren planten den Bau eines Hotelkomplexes auf den Hügeln des Salagou-Sees und das unter anderem auf dem Gebiet des Dorfes Celles. Dieser Dollarregen bekam die Unterstützung des Departement Herault. Dank einer administrativen List und der Mobilisierung der Leute aus der ganzen Umgebung wurde das Projekt gerade rechtzeitig verworfen. Zur gleichen Zeit stellte der Zentralrat erste Überlegungen über die Zukunft des Dorfes Celles an.
Im Jahre 2003 wurde die Gesellschaft für Landschaftsplanung von Herault vom Departement beauftragt, eine Studie über die Möglichkeit einer Dorfsanierung durchzuführen. Arbeitstreffen wurden organisiert, die im August 2003 erneut ausgebremst wurden. Durch ministeriellen Erlass des Umweltministeriums wurde der Salagou-See ein klassifizierter Standort. Die Vorhaben der Celler blieben in den Tiefen der administrativen Prozesse stecken.
Ob Celles seine Daseinsberechtigung eines Tages wiedererlangen wird, ist bis zum heutigen Tag unbekannt, aber die Celler sind entschlossen, für das zu kämpfen, was einst Ihren Eltern und Großeltern abgenommen wurde. Bis dahin bleibt Celles ein Dorf, das vielleicht in Trümmern liegt, aber niemals verlassen noch vergessen sein wird.

Der Fakt, dass Celles aussieht, als sei es durch die Bomben des letzten Krieges beschädigt worden, wenn man seine Ruinen mit den geschwärzten Mauern sieht, entspringt einer ganz anderen Geschichte, die das Dorf ebenfalls 1985 heimsuchte. Da wurde Celles Kulisse für den Film “Zone Rouge” von Robert Enrico mit Sabine Azéma und Richard Amconona in den Hauptrollen. Um den Eindruck eines niedergebrannten Dorfes zu erwecken, wurden die Mauern in schwärzlichen Farbtönen gestrichen. In dem Film sieht man Maschinen die Ruinen von Celles wegräumen. Es handelt sich aber nicht um Celles, sondern um einen Weiler namens Vailhés, der das gleiche Schicksal erlitt, aber in dem die Bauwerke wesentlich gefährlicher geworden waren.
Die gemeinde Celles umfasst insgesamt eine Bevölkerung von 30 Seelen verteilt auf 5 Orte. Seit 1995 ist Madame Joelle Goudal gewählte Bürgermeisterin der Gemeinde. Sie hat den Posten von Ihrem Vater übernommen, der seit 1967 Bürgermeister war. Madame Gourdal steht einem Gemeinderat vor, der heute neun Mitglieder zählt.

Heute leben zwei Familien in Celles, untergebracht in den Gebäuden der Gemeinde. Alle Gebäude, außer denen die der Gemeinde gehören, bleiben im Besitz des Departement. Der Weiler Vailhés umfasst 5 Familien, die sich in drei landwirtschaftlichen Betrieben niedergelassen haben, die hauptsächlich biologische Viehzucht und den Anbau von Futterpflanzen betreiben. Auch der Tourismus fasst Fuß in dieser Gegend. In dem Ort “Le Mas” ganz in der Nähe von Celles, findet man einen Campingplatz, ein Hotel-Restaurant, ein Kino und einige Wohngebäude. Der Campingplatz an der Boots-Basis am Nordufer des Sees hat 246 Stellplätze. Er wird von der Stadt Lodève verwaltet.

Für Liebhaber ist Celles leicht über die Autobahn A75 zu erreichen, die bekannt ist für das Viadukt von Millau. Auf der Autobahn ist die Ausfahrt zum Salagou-See gut ausgeschildert, Ausfahrt 55, 22 km nördlich von Clerment l’Hérault.

Das ganze Land ist durch den Regen sumpfig, die ausgewiesenen Stellplätze sind sehr matschig und die Rote Erde will ich nicht so gerne im Womo haben.
So beschließen wir nach Millau weiter zufahren.
Also zurück auf die A75


inerhalb weniger KM geht es von kanpp 100 auf über 800 Meter. 40 KM/h und dritter Gang für den Iveco.

Aber es eine wunderschöne Strecke !

Auf knapp 800 Meter geht es über die Hochebene zum Viaduc de Millau. Kurz vor dem Viaduct fahren wir von der Autobahn ab und suchen unser heutiges Tagesziel den Stellplatz in Millau auf.

